Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

eher  Eisenwerk  mit  der  Ersetzung  durch  Aluminium  experimentiert.“  Die  gleichzeitige
  Verknappung  von  Dolomit,  mit  dem  die  Konverter  ausgefüttert  wurden,
veranlasste  Hermann  Röchling,  Versuche  zur  Verlängerung  der  Haltbarkeit  der
Konverterböden  in  Auftrag  zu  geben.86 87
Nach  dem  Zweiten  Weltkrieg  setzten  sich  die  Innovationen  in  der  Thomasstahlherstellung
  fort.  Im  Jahr  1955  waren  in  den  Saarhütten  19  Thomaskonverter
vorhanden.88 89  Die  Kapazität  der  Konverter  und  der  Mischer  steigerte  sich  allerdings
  nicht  in  dem  Maße  wie  bei  den  Hochöfen.  In  der  zweiten  Hälfte  des
20.  Jahrhunderts  lag  die  Konvertergröße  bei  den  Saarhütten  zwischen  18  und
27t,  bei  den  ARBED-Werken  in  Luxemburg  zwischen  22  und  35t,84  in  Lothringen
  zwischen  13  und  50t.90  Das  von  ARBED  von  1957-1960  neu  gebaute
Thomasstahlwerk  in  Burbach  wurde  mit  zwei  Mischern  von  1400t  und  vier
Konvertern  von  je  50t  Fassungsvermögen  ausgerüstet.91 92  Die  Neunkircher  Hütte
modernisierte  ab  1961  ihr  weit  gehend  auf  dem  Stand  der  frühen  1920er  Jahre
gebliebenes  Thomasstahlwerk.  Ein  sechster  Konverter  mit  einer  Kapazität  von
27t  wurde  neu  aufgestellt,  bis  1973  auf  30t  erhöht.  In  den  ARBED-Hütten
wurden  die  Thomaskonverter  nach  einem  vom  Direktor  des  Stahlwerks  Düdelingen
  entwickelten  Verfahren  eine  Zeit  lang  mit  schwerem  Heizöl  und  mit  dem  Teer
aus  den  Hüttenkokereien  geheizt.97  Da  die  starken  Emissionen  der  Thomaskonverter
  bei  zunehmendem  Umweltschutzdenken  im  bisherigen  Ausmaß  nicht  mehr
hingenommen  wurden,  mussten  die  Werke  darauf  bedacht  sein,  die  ausgestoßenen
  Staubmengen  zu  verringern.  In  Völklingen  wurde  dies  erreicht,  indem
der  Durchmesser  der  Düsen  in  den  Konverterböden,  durch  die  Luft  eingeblasen
wurde,  verkleinert  wurde.
Trotz  der  Erfolge  bei  der  Qualitätsverbesserung  entwickelte  sich  die  Nachfrage
nach  Thomasstahl  Ende  der  1950er  Jahre  deutlich  rückläufig.  Das  Neunkircher
Eisenwerk  hielt  am  längsten  an  der  Thomasstahlproduktion  fest.  Im  Jahr  1973
betrug  der  Anteil  des  Thomasstahls  74,5%  seiner  gesamten  Stahlproduktion,
gegenüber  31,3%  der  Stahlprodukte  aller  Saarhütten.  In  der  Bundesrepublik  war

86  Niederschrift  der  Sitzung  der  Reichsvereinigung  Eisen  Außenstelle  Südwest  am  9.12.1943,
S.130  (BAB  R  10  Nr.  72).
87  Herrmann,  Röchling  in  der  Kriegswirtschaft  (Anm.  15),  S.  428f.
88  Burbach  fünf  zu  je  20t,  Dillingen  vier  zu  je  22t,  Neunkirchen  vier  zu  je  20t,  einer  zu
27t,  Völklingen  fünf  zu  25t,  ein  sechster  wurde  1961  beigestellt.  Nathusius  (Anm.  2),  S.  99-107;
  Entwicklung  und  Ausbau  der  technischen  Anlagen  in  Völklingen,  in:  Der  Völklinger
Hüttenmann  15  (1961)  8,  S.  177-179.
89  1960  arbeiteten  in  den  luxemburgischen  Werken  Dudelange,  Esch-Schifflange  und  Esch-Belval
  15  Konverter.  Nathusius  (Anm.  2),  S.  112.
90  SOLLAC  (Société  Lorraine  de  Laminage  Continu)  bei  Sérémange:  1948  drei  Konverter
von  je  50t  im  Bau,  Hayange  dagegen  arbeitete  bis  1970  noch  mit  seinen  kleinen
13t-Konvertern  aus  der  Zeit  vor  dem  Ersten  Weltkrieg,  Gesamtbestand  1960:  82  Thomaskonverter.
  Moine,  Histoire  technique  (Anm.  67),  S.  236.
91  ARBED  (Anm.  3),  S.  112.
92  Ebd.,  S.  113.

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