begegneten dem neuen Verfahren jedoch zunächst mit Skepsis. Sie äußerte sich
darin, dass die Burbacher Hütte, obwohl auch sie 1880 die Lizenz erworben
hatte, und die Völklinger Hütte in den 1880er Jahren ihre Produktion auf der
Grundlage des Puddeiverfahrens ausbauten. 1893 arbeiteten in Lothringen erst
drei Thomasstahlwerke: Longwy-Mont-St. Martin, Joeuf (beide in Meurthe et-Moselle)
und Hayange/Hayingen im damals deutschen Bezirk Lothringen.72 Erst
die Entdeckung neuer Minette-Vorkommen im Becken von Briey und technische
Verbesserungen durch die Vorschaltung von Mischern (s. unten) gaben
Impulse zur Anlage weiterer Werke. Im Saarrevier waren es Völklingen
(1890 Baubeginn, drei Konverter zu je 15t, am 25. Mai 1891 erste Charge
erblasen, 1894 vierter Konverter zugestellt, 1899 auf 21t gesteigert),7' Burbach
(6. August 1891 erste Charge erblasen), St. Ingbert (Inbetriebnahme am
1. April 1894, bald nach Kriegsausbruch stillgelegt, 1916 abgetragen),74 76 Dillingen
(1894 Baubeginn, 1896 in Betrieb). Die Haiberger Hütte, die sich schon
damals auf Gusswaren spezialisiert hatte, besaß nie ein Thomaswerk.
Nach Inbetriebnahme der Thomasstahlwerke ging die Schweißstahlherstellung
im Puddelverfahren77 zurück, kam aber zunächst noch nicht ganz zum Erliegen,
weil bei einem traditionellen Abnehmerkreis noch Bedarf an im Puddelverfahren
hergestelltem Qualitätsstabeisen bestand, für den St. Ingbert und Neunkirchen
bis in den Ersten Weltkrieg produzierten. Der Rückgang des Puddelbetriebes,
an dem zuweilen die Modernität von Stahlwerken bemessen wurde, setzte im
Saarrevier später ein7(> als im Ruhrgebiet 7 und in Lothringen, wo nach der
Stilllegung des Betriebes in Ars (1913) nur noch Gouvy & Co in Oberhomburg
Schweißeisen produzierte.78
Bei der Verarbeitung von aus Minette erschmolzenem Roheisen im Thomasverfahren
zu Stahl waren anfangs Roheisenbarren in Kupolöfen geschmolzen
und dann in die Thomaskonverter umgefüllt worden. Mit dem Übergang zur
Flussstahlverarbeitung erübrigte sich diese zusätzliche Schmelzphase, jetzt
wurde flüssiges Roheisen in die Konverter gefüllt. Um Nachteile einer ungleichmäßigen
Zusammensetzung des Roheisens aus verschiedenen Abstichen auszugleichen,
wurden Mischer zwischengeschaltet, die mit Roheisen aus verschie¬72
Moine, Histoire technique (Anm. 67), S. 222.
73 A, Latour, Das Stahlwerk und die Erzeugung von Thomasstahl, in: Du und Dein Werk
1 (1952)4.
74 Krämer (Anm. 8), S. 166f.
75 Kara von Borries, Das Puddelverfahren in Rheinland und Westfalen volkswirtschaftlich
betrachtet. Düsseldorf 1929.
76 Stilllegung der Puddelwerke: Burbach 1891, Völklingen 1903, St. Ingbert 1913. Krämer
(Anm. 8), S.168. In Dillingen waren 1913 noch zehn Schweißöfen vorhanden, aber nur
sieben in Betrieb. Van Ham (Anm. 4), S. 192. In Neunkirchen waren von vorhandenen
42 Öfen nur 24 in Betrieb. 1915 wurde das dortige Puddelwerk stillgelegt.
77 Borries (Anm. 75), S. 66f.
78 Die Schweißstahlherstellung war in Lothringen bis 1913 auf 6066t zurückgegangen, bei
De Wendel wurde sie bald nach 1900 eingestellt. Schlenker (Anm. 27), S. 212.
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