Industriekultur des Saarreviers im Vergleich
Rainer Hudemann
"Zukunft gewinnt nur, wer Vergangenheit kennt. Den Wirtschaftsstandort
Saarland für die Zukunft innovationsfähig und populär zu machen, hat in der
Auseinandersetzung mit der industriellen Vergangenheit eine unersetzbare
Voraussetzung." Mit diesen Sätzen leitete die von der Landesregierung im
Januar 2000 eingesetzte Expertenkommission IndustrieKultur Saar den Abschnitt
"Der historische Gehalt der Industriekultur" ihres Abschlussberichtes ein.
"Ziel der Landesregierung ist es, die Industriekultur weit mehr als bisher in den
Mittelpunkt der Kulturpolitik und der Wirtschaftspolitik zu rücken", hieß es in
der Vorlage an den Ministerrat für die Berufung dieser Kommission.!
Damit ist der Rahmen abgesteckt für eine Diskussion, die in den letzten Jahren
an der Saar wie in anderen Industrieregionen öffentlich intensiv geführt wurde:
die Frage nach der Bedeutung der Schwerindustrie in der Zeit ihres Niederganges
und nach den künftigen Funktionen ihrer industriekulturellen Relikte im
Saarland zu Beginn des neuen Jahrtausends.J Angesichts der finanziellen Notlage
des Landes steht die Wirtschaftsförderung im Vordergrund der öffentlichen
Debatte und der politischen Maßnahmen. Dabei soll zugleich für die Kulturpolitik
ein unterstützendes Umfeld entstehen. Wie Juan Manuel Wagner im
folgenden aus geografischer Perspektive begründet, eröffnen nur neue Aufgaben
eine Chance, Industriedenkmäler langfristig zu erhalten.
Es geht aber um mehr als um die Revitalisierung industriekultureller Relikte. Die
wissenschaftliche und mehr noch die öffentliche Diskussion um die Industriekultur
an der Saar hat sich lange Jahre vorrangig mit dem Land selbst, in seinen
heutigen politischen Grenzen, beschäftigt. Schwerpunktmäßig galt das Interesse
der Forschung bis in jüngere Zeit dem 19. Jahrhundert und der Hochindustrialisierung,
in methodischer Hinsicht der Technik- und Betriebsgeschichte,
und auch sie löste sich nur selten von der geografischen Begrenzung. Methodisch
neue Wege eröffneten besonders die von Richard van Dülmen angeregten
Arbeiten, denen er als Konzept zugrunde legte: "Unter Industriekultur verstehen
1 IndustrieKultur Saar. Der Bericht der Kommission, Hg. von der Staatskanzlei, Saarbrücken
2000, S.13.
2 Im Ausstellungsbereich siehe hierzu beispielsweise: Industrie, Menschen, Bilder. Ansichten
aus der saarländischen Industneregion, hrsg. vom Historischen Museum Saar. Saarbrücken
1996; Eisen - Fer. Katalog zur Ausstellung im Weltkulturerbe Völklinger Hütte.
Europäisches Zent mm für Kunst und Industriekultur, hrsg. von Meinrad Maria Grewenig.
Ostfildern-Ruit 2000. Unter den Verbandsbilanzen: Wirtschaft zwischen den Grenzen. 100
Jahre Industrie- und Handelskammer des Saarlandes, hrsg. von der Industrie- und Handelskammer
des Saarlandes. Saarbrücken 1964; Philipp W. Fabry, Bauen im Grenzland an der
Saar. 100 Jahre Einheitsverband der Bauindustrie und des Bauhandwerks 1899-1999. Saarbrücken
1999.
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