Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

große  Konverter  installiert,  die  nach  verschiedenen  Verfahren  arbeiten.  Ein  Teil
der  Hochöfen  wird  noch  mit  Minette  beschickt;  das  gewonnene  Roheisen  wird
mittels  des  LDAC-Verfahrens  zu  Stahl  Verblasen.  In  einem  anderen  Teil  der
Hochöfen  wird  Reicherz  aus  Schweden  eingesetzt;  sie  liefern  ihr  Roheisen  zu
einem  LD-Konverter.  Damit  beginnt  die  Lösung  von  der  regionalen  Erzbasis.
Zwischen  1970  und  1976  werden  in  Burbach,  Völklingen  und  Neunkirchen
die  Thomas-Konverter  durch  OBM-  und  LDAC-Konverter  abgelöst.  1977  ist  im
Saarland  das  Zeitalter  des  Thomas-Stahls  nach  97  Jahren  seit  seiner  Einführung
zu  Ende.  In  diesem  Jahr  wird  in  Neunkirchen  der  letzte  Thomas-Konverter  der
Bundesrepublik  Deutschland  stillgelegt.107  Es  ist  die  bedauerliche  Tatsache  zu
vermelden,  dass  im  Saarland  nicht  ein  einziger  Thomas-Konverter  als  Denkmal
dieses  Zeitalters  aufbewahrt  worden  ist.

1980  wird  in  Völklingen  die  erste  Baustufe  eines  neuen  großen  Stahlwerkes  mit
LD-Konvertern  in  Betrieb  genommen,  das  die  OBM-Stahlwerke  in  Völklingen
und  Neunkirchen  und  das  Siemens-Martin-Stahlwerk  in  Völklingen  ersetzt.
Damit  ist  vier  Jahre  nach  dem  Ende  der  Thomasstahlzeit  auch  das  Zeitalter  der
Minette-Verhüttung  an  der  Saar  zu  Ende.
Die  gewaltigen  Investitionen,  die  nicht  nur  die  Modernisierung  der  Stahlerzeugung,
  sondern  auch  die  der  Hochofenwerke,  der  Walzwerke  und  der  übrigen
Neben-  und  Verarbeitungsbetriebe  betreffen,  können  die  relativ  finanzschwachen
Unternehmen  nicht  aufbringen.  Es  erfolgen  Fusionen  und  Kooperationen,  die
große  Investitionen  und  rationelle  Produktionsverfahren  ermöglichen  sollen.
Die  wichtigsten  seien  nur  aufgezählt:
1971:  Die  Völklinger  Hütte  fusioniert  mit  der  Burbacher
Hütte  der  ARBED  zur  "Stahlwerke  Röchling-Burbach
GmbH".
1977:  Stilllegung  der  Flüssigphase  in  Burbach.
1982:  Fusion  der  Stahlwerke  Röchling-Burbach  GmbH  mit
der  Neunkircher  Eisenwerk  AG  zu  "Arbed-Saarstahl
GmbH".

1982:  Stilllegung  der  Flüssigphase  in  Neunkirchen.
1986/1989:  Über  eine  Umfirmierung  in  "Saarstahl  Völklingen
GmbH"  Gründung  der  "Saarstahl  AG".
1986:  Stilllegung  der  Roheisenphase  in  Völklingen.
Die  Außerbetriebnahme  einer  großen  Anzahl  von  Aggregaten  kann  durch
wenige  neue  Anlagen  ausgeglichen  werden.  Damit  ist  aus  den  vormals  drei
integrierten  Hüttenwerken  Burbach,  Neunkirchen  und  Völklingen  ein  einziges
Stahl-  und  Walzwerk-Unternehmen  geworden,  das  kein  eigenes  Hochofenwerk
mehr  besitzt.

107  Schötschel  (Anm.  104),  S.  16.

101
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.