litisch-administrative Grenzen des frühen und hohen Mittelalters vermutlich
wenig Einfluß hatten.3 Gefragt wird auch nach den sprachlichen Abläufen bei
der kleinräumigen Ausdifferenzierung romanischer und althochdeutscher
Sprach- und Siedlungslandschaften entlang der sich konstituierenden
Sprachgrenzlinie, nach mutmaßlichen bilingualen Zonen und regelrechten
Sprach- und Siedlungsinseln inmitten einer mehrheitlich anderssprachigen
Bevölkerung, die sich im Saar-Mosel-Raum im Laufe des frühen Mittelalters
allmählich auflösten und von denen die Trierer Moselromania zweifellos die
bedeutendste und lebensfähigste gewesen ist.4 Im Zentrum des Interesses stehen
- gerade mit Blick auf Lothringen, um dessen nationale Zugehörigkeit die wissenschaftliche
und publizistische Auseinandersetzung lange Zeit vor allem mit
linguistischen Argumenten geführt wurde5 - auch immer wieder Fragen nach
der Stabilität dieser einmal fixierten linearen Grenze6 und nach möglichen
Gründen für eventuelle Änderungen ihres Verlaufs, zu deren Beantwortung der
Sprachwissenschaftler - vor allem durch die Untersuchung von Flur- und
Personennamen7 - einiges beitragen kann. Recht intensiv beschäftigt hat man
sich darüber hinaus auch mit den Auswirkungen politischer Initiativen, die eine
Steuerung des Sprachverhaltens im Sinne hatten, insbesondere mit der während
Dazu ausführlich Petri: Landnahme, S. 60ff., 167ff.; Pfister: „Bedeutung des
germanischen Superstrates“, S. 128-140; Gerlich: Landeskunde, S. 153: „Daß sich im
geographischen wie im politischen Raum der Sprachraum konsolidiert hat, ist in der
Hauptsache wohl eine Folge der Prävalenz der einen oder anderen Sprachgemeinschaft in
der betreffenden Landschaft“.
Vgl. dazu zusammenfassend Kleiber/Pfister: Aspekte, S. 1 lff„ 71ff„ Karten S. 93-96 (auf
der Grundlage der in Anm.l genannten Literatur); Pfister: „Situation“, S. 73ff.; Pitz:
Siedlungsnamen, Bd. I, S. 26-40.
Vgl. Haubrichs: „Krieg der Professoren“, S. 213.
Vgl. z.B. Witte: Deutsche und Keltoromanem, Witte: Sprachgebiet; This: Sprachgrenze;
Toussaint: Frontière.
Vgl. z.B. Witte: Sprachgebiet; Lévy: Histoire, Bd. 1, S. 156: „A l’aide de documents de
plus en plus nombreux, Witte en a décrit le flux et le reflux d’une façon à peu près
complète, et nous n’avons qu’à suivre ses indications“. Sehr differenzierte Flurnamenstudien
sind inzwischen mit Hilfe des von Prof. Dr. W. Haubrichs am
germanistischen Institut der Universität des Saarlandes aufgebauten ,Archivs der
Siedlungs- und Flurnamen des Saarlandes und des östlichen Lothringen' möglich. Dieses
Archiv hält die direkt aus den Primärquellen gesammelten historischen Belege und die
rezenten Mundartformen der Namen aller noch existierenden und auch der wüstgefallenen
Siedlungen des beschriebenen Raumes (Saarland, französisches Departement Moselle
und Teile des Departements Meurthe-et-Moselle, westlich der Vogesen gelegene Teile des
Departements Bas-Rhin) sowie die amtlichen, historischen und mundartlichen Formen der
Flurnamen in einer relationalen Datenbank bereit und kann als Quellengrundlage für eine
Bearbeitung der unterschiedlichsten Fragestellungen genutzt werden.
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