Full text : Grenzkultur - Mischkultur?

(61-62)  zweimal  ein  gedruckter  livre  de  la  diablerie.10i5
Auch  Bücher,  die  den  Kirchengesang  betreffen,  vielleicht  von  einem
priesterlichen  Mitglied  der  Familie  ererbt,  spielen  eine  Rolle:
(45-46)  zweimal  ein  livre  de  chanterie.106
Wirtschaftlich  orientierte  Schriften  sind  rar;  es  begegnet  nur
(12)  das  Zinsverzeichnis  des  Georgsaltars  im  Metzer  Dom;107
(11)  eine  unmittelbar  davorstehende  Somme  rurale  ist  dagegen  als  eine
Sammlung  von  Gewohnheitsrecht  zu  identifizieren.108
Breit  vertreten  ist  auch  der  Sektor  der  Historie  mit  22  Bänden  (vgl.  o.  Nr.  74),
also  rund  einem  Fünftel  des  Gesamtbestandes,  wobei  hier  speziell  mit  6  Bänden
das  Erbe  des  Schwiegervaters  aus  dem  Hause  Gournay  (beinahe  ein  Drittel
seiner  Bücher)  und  damit  dessen  Interessen  deutlich  sichtbar  werden.  Nicht  alles
ist  sicher  identifizierbar,  jedoch  das  meiste  thematisch  aufschließbar:
An  Gesamtdarstellungen  waren  vorhanden:
(60)  ein  Druck  des  compendium  historial,  die  anonyme  französische
Übersetzung  des  ,Compendium  Historiale1  des  Henri  Romain,
Kanonikers  von  Toumai;109
und  aus  dem  Erbe  des  Bruders  Joachim  Chaversson:

Es  könnte  sich  hier  auch  -  und  vielleicht  mit  noch  mehr  Wahrscheinlichkeit  -  um  den
,Livre  de  la  Diablerie1  des  Eloi  d’Amerval  (Ende  15.  Jh.),  ein  moralisch-didaktisches
Buch  über  den  Teufel  und  die  Hölle,  handeln,  der  1508  bei  Michel  le  Noir  in  Paris
gedruckt  wurde.  Vgl.  Gier,  A.,  in:  Lexikon  des  Mittelalters,  Bd.  8  (1996),  Sp.  588;
Moreau  (wie  Anm.  75)  I,  Nr.  5.
Der  Begriff  afrz.  chanterie  bezieht  sich  hier  -  im  Kontext  von  Handschriften  eines  miroir
aux  prebstres  (42),  eines  petit  liure  de  Sainct  Fanuel  (43),  und  eines  liure  parlant  des
censes  de  laute!  sainct  George  au  grant  moustier  (44)  -,  aber  auch  sonst,  auf  .Kirchengesang4.
  Möglicherweise  handelt  es  sich  bei  den  Nm.  42-46  um  Bestandteile  einer
ehemaligen  Priesterbibliothek.
107  Vgi  0  Anm.  92.
1°8  Dieser  livre  la  Somme  Rurale  ist  wohl  identisch  mit  dem  beliebten  gleichnamigen  Werk
des  französischen  Juristen  Jean  le  Boutillier  (1340-1395),  1479  auch  gedruckt,  einer
„locker  angeordneten  Kompilation  des  Gewohnheitsrechtes  des  nordfranzösischsüdniederländischen
  Raumes“.  Vgl.  Dröge,  Ch.,  in:  Lexikon  des  Mittelalters,  Bd.  5
(1990),  Sp.  337.
1°9  Das  Werk  wurde  unter  dem  angegebenen  Titel  1509  bei  Antoine  Vérard,  Paris,  gedruckt.
Vgl.  Bossuat  (wie  Anm.  76),  3.  Suppl.,  Nr.  8570L;  Moreau  (wie  Anm.  75),  I,  Nr.  172.

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