Full text : Grenzkultur - Mischkultur?

seinem  Schwiegervater.  Die  Bibliothek  war  also  zu  nahezu  zwei  Dritteln  noch
von  Manuskripten  bestimmt.  Ein  kleiner  Prozentsatz,  8  eigene,  ein  ,Herbarius4
und  vielleicht  die  4  Bände  des  Vincent  historial  [Vinzenz  von  Beauvais],72  die
vom  Bruder  kamen,  waren  in  lateinischer  Sprache  geschrieben.
Das  Themen-  und  Interessenspektrum  Michiel  Chaverssons  und  seines  Schwiegervaters
  ist  außerordentlich  weit  gespannt.  Bei  Michiel,  der  juristische  und
politische  Ämter  ausübte,  steht  die  Jurisprudenz  im  Bibliotheksverzeichnis  mit
Sammlungen  von  Rechtssatzungen  der  Meisterschöffen,  Formeln  der  Ammans
und  Instrumenten  für  das  Notariat  gut  vertreten  da,73  bei  seinem  Schwiegervater
  findet  sich  nur  ein  Formelbuch.  Insgesamt  sind  es  aber  nur  wenige  Bände.
Außerordentlich  breit  vertreten  sind  Bibel,  Liturgie,  fromme  Erbauungsschriften,
  die  letzteren  stärker  bei  François  de  Goumay  (G):74
(50-51)  eine  gedruckte  Bibel  in  zwei  Bänden;75

72  Vgl.  zu  Vinzentius  von  Beauvais  (t  1264)  Voorbij,  Johannes  B.:  Het  Spéculum
Historiale  van  Vincent  van  Beauvais,  Een  Studie  van  zijn  onststaans  geschiedenis,  Utrecht
1991;  Düchting,  R.:  „v.  Beauvais,  Vinzenz“,  in:  Lexikon  des  Mittelalters,  Bd.  8  (1997),
Sp.  1705-1707  [Lit.].
73  An  juristischen  Schriften  hatte  Michiel  Chaversson  in  seiner  Bibliothek:  (1)  Ung  gros
liure  ce  present  liure  des  jugements  des  maistres  eschevins  [=  Nancy  B.M.  142];  ung
aultre  livre  des  Jugements  des  maistres  eschevins  ...;  (3)  ung  aultre  livre  des  Jugements
des  maistres  eschevins  ...;  (3)  ung  livre  du  stille  de  1'amandellerie  ...,  ein  Kanzleibuch  für
das  Amt  des  Amman;  (4)  ung  livre  ou  sont  tous  les  saichets  des  eschevinaige  que  se
tesmoignent  pour  le  present.  Et  tout  ce  que  le  maistre  eschevin  les  eschvins  et  les  maires
doivent  faire  en  leurs  offices  ...;  (73)  ung  petit  livre  du  stille  de  la  notarerie,  ein
lateinisches  Notariatshandbuch,  ln  gewissem  Sinne  muß  man  auch  (11),  die  Somme
rurale  des  Jean  le  Boutillier,  eine  Sammlung  von  Gewohnheitsrechten  (Anm.  108),  und
den  livre  rendu  formulaire  en  allement  des  Schwiegervaters  (G  9),  ein  deutsches
Kanzleihandbuch  (Anm.  149),  hinzurechnen.  (23),  der  livre  de  maistre  Joust  [bei
Klipffel:  <Foust>],  könnte  mit  dem  bedeutsamen  und  häufiger  gedruckten  ,Vocabularius
perutilis  vtriusque  iuris  tarn  civilis  quam  canonici*  des  Jodocus  von  Erfurt  identisch  sein.
74  Das  Verzeichnis  wurde  von  mir  nach  fotografischen  Kopien  gegenüber  den  bisherigen
Editionen  (Anm.  70)  korrigiert  und  neu  -  nach  der  Anzahl  der  Bände  -  durchnumeriert.
Die  Hinweise,  die  sich  in  den  folgenden  Fußnoten  zu  den  einzelnen  Büchern  der
Bibliothek  finden,  können  nach  Stand  der  Forschung  und  Kompetenz  des  Verfassers  nur
vorläufiger  Natur  sein.  Meinem  Kollegen  und  Freund  Max  Pfister  (Saarbrücken)  sowie
Martina  Pitz  und  Andreas  Schon-  (beide  Saarbrücken)  danke  ich  für  manche  wertvolle
Hinweise.  Die  weitergehende  sachgerechte  Identifizierung  der  Titel,  der  Handschriften
und  Drucke  ist  letztlich  eine  Aufgabe  für  einen  Romanisten.
75  Vielleicht  identisch  mit  der  ca.  1505  in  Paris  bei  Antoine  Vérard  gedruckten,  von  Guyart
de  Moulins  übersetzten,  zweibändigen  Bible  en  francois,  die  mehrfach  bei  Pariser
Druckern  (ca.  1507,  1507,  1520)  wieder  aufgelegt  wurde.  Vgl,  Moreau,  Brigitte:
Inventaire  chronologique  des  éditions  Parisiennes  du  XVIe  siècle.  Bd.  1-2,  Paris  1972-71


            
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