Full text : Grenzkultur - Mischkultur?

Hildesheim  und  Zillis  (Schweiz)  haben,57  ein  ähnlich  janusköpfiges  Bild  der
Zivilisation  ergäben,  wäre  noch  zu  untersuchen.  Was  die  literarischen  Beziehungen
  in  einer  gewissen  ,Mischkultur4  angeht,  so  steht  die  Forschung  hier,
soweit  ich  sehe,  auch  noch  völlig  am  Anfang.  Die  literarischen  Zeugen  der
Metzer  Adelskultur  des  späten  Mittelalters  sind  zudem  nicht  zahlreich  auf  uns
gekommen  und  sind  durch  schwere  Kriegsverluste  1944  weiter  dezimiert
worden.  Immerhin  zeigen  uns  literarische  Sammlungen  und  Besitzvermerke,
daß  die  großen  Metzer  Familien  auch  über  Bibliotheken  von  oft  beachtlicher
Extension  verfügten.58
So  schreibt  Jean  Schneider  über  die  mit  Luxemburg  intensiv  verbundene
Familie  der  d’Esch  oder  Daix:  „Les  Daix  furent  curieux  de  littérature,
d’histoire,  de  jurisprudence;  leur  signe,  la  guimbarde,  se  retrouve  dans  les
manuscrits  d’origine  messine,  plus  souvent  que  ceux  d’autres  familles.  Ils
furent  les  premiers  à  tenir  une  chronique  familiale,  à  former  des  recueils  de
jurisprudence  messine,  dans  lesquels  ils  consignaient  leurs  réflexions  d’origine
messins1.59  Von  Mitgliedern  der  Familie  d’Esch  sind  mindestens  acht
Handschriften  bekannt,  darunter  auch  eine  Lyriksammlung,  von  der  noch  die
Rede  sein  wird.  Jacques  d’Esch  (1371-1455)  schrieb  die  berühmte  Metzer
Chronik,  in  der  die  Kaiser  und  Könige  aus  dem  Luxemburger  Hause  eine
besondere  Rolle  spielen;  sein  Sohn  Nicolas  d’Esch,  Doktor  des  kanonischen
Rechts,  Kanoniker  und  thesaurarius  der  Metzer  Domkirche,  hatte  zwischen
1431  und  1437  in  Heidelberg  und  Köln  studiert  und  besaß  mindestens  sechs
Handschriften;  dessen  Bruder  Philippe  stellte  im  Jahre  1471  „un  recueil  de
jugements  du  maître-échevin  et  de  rapports  aux  Treize“  fertig;60  eine  Berliner
Handschrift  enthält  eine  ,Epitome  gestorum  Metensium1,  die  von  Antoine
d’Esch,  prêtre  messin,  bald  nach  1515  vollendet  wurde,  vermutlich  ebenfalls

57  Murbach,  Emst:  Zillis.  Die  romanische  Bilddecke  der  Kirche  St.  Martin,  Zürich/Freiburg
i.Br.  1967.  Auf  rheinische  Einflüsse  auf  die  Metzer  Buchmalerei  des  15.  Jhs.  weisen  hin:
Avril,  François:,L’enlumineur  Henri  d’Orquevaulx  et  la  production  des  ateliers  messins
au  XVe  siècle“,  in:  Metz  enluminée  (wie  Anm.  50),  S.  69-80;  Parisse  (wie  Anm.  11),  S.
230.
58  Vgl.  Wolfram  (wie  Anm.  11),  S.  XVIIIf.,  XXXVIIIf.;  Bruneau  (wie  Anm.  1),  S,  169ff.;
Bruneau/Marot  (wie  Anm.  4),  S.  278ff.;  Schneider  1950  (wie  Anm.  4),  S.  453;  Paulmier
(wie  Anm.  4),  S.  237;  Avril  (wie  Anm.  57),  S.  69ff.  Drei  bedeutsame  Handschriften  der
französischen  Trouvère-Überlieferung  stammen  -  sicherlich  über  Bibliotheken  des
Patriziats  vermittelt  -  aus  Metz  (Bern  Burgerbibi.  389;  Oxford  Bodl.  Douce  308;  Paris
B.N.  fr.  20  050).  Vgl.  Bruneau  (wie  Anm.  1),  S.  220.
59  Schneider  (wie  Anm.  4),  S.  165.
60  Wolfram  (wie  Anm.  11),  passim;  Claisse  (wie  Anm.  50),  S.  122.  Auf  Metzer  Studenten
in  Heidelberg,  Basel  und  vor  allem  Köln  (z.B.  1486/87  achtzehn)  weist  hin  Parisse  (wie
Anm.  11),  S.  230.  Für  Jacques  d’Esch  lassen  sich  auch  Beziehungen  zu  der  aus  dem
Luxemburger  Hause  stammenden  Herzogin  Elisabeth  von  Görlitz  nachweisen  (ebd.,  S.
LXXII).  Vgl.  zur  Abkunft  der  d’Esch  aus  dem  Luxemburger  Raum  Vannérus,  Jean:  Les
anciens  dynastes  d'Esch-sur-la-Sûre,  Luxembourg  1910,  S.  389-401.

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