Full text : Grenzkultur - Mischkultur?

de  Vigneulles  in  seinem  Gedenkbuch  verzeichnete53  -,  oder  die  1512  zu  Metz
abgehaltenen  ritterlichen  Memorialspiele  mit  Darstellungen  des  Königs  Artus,
Karls  des  Großen  und  Gottfrieds  von  Bouillon  sicherlich  nicht  nur  der
Ritterkultur  des  Reiches  verhaftet  gewesen  sein,  wo  Ähnliches  bezeugt  ist.54
Aber  die  Angehörigen  der  Metzer  paraiges  legten  auch  Wert  auf  ihre  Qualität
und  Zugehörigkeit  zur  Ritterschaft  des  Reiches,  wenn  sie  an  Turnieren  und
Schauzügen  in  Reichsstädten  des  Ostens  teilnahmen  und  wenn  sie  -  in  betontem
adligem  Stil  und  in  ausgeprägtem  ritterlichem  Aufzuge  anläßlich  der  Hochzeit
des  Heidelberger  Pfalzgrafen  1511  namentlich  -  hier  François  le  Gournaix,
Nicole  Roussel,  Nicole  Dex  (d’Esch)  und  Jehan  Roussel  -  als  Repräsentanten
der  Stadt  entsandt  wurden.55
Inwieweit  die  materiellen  und  bildkünstlerischen  Hinterlassenschaften  der
Metzer  Patrizierkultur,  die  Grabdenkmäler,  Memorialbildnisse,  Stifterbildnisse,
vor  allem  aber  die  großartigen,  bisher  wenig  beachteten  Deckenbemalungen
von  Metzer  Adelshäusern,5^  die  ja  ihre  nächsten  Verwandten  in  Kirchen  in

53  Vgl.  o.  Anm.  10,
54  Vgl.  Zotz,  Thomas:  „Adel,  Bürgertum  und  Turniere  in  deutschen  Städten  vom  13.  bis  15.
Jahrhundert“,  in:  Fleckenstein,  Josef  (Hg.):  Das  ritterliche  Turnier  im  Mittelalter.
Beiträge  zu  einer  vergleichenden  Formen-  und  Verhaltensgeschichte  des  Rittertums,
Göttingen  1985,  S.  450-499;  Barber,  Richard  /  Barker,  Juliet:  Tournaments.  Jousts,
Chivalry  and  Pageants  in  the  Middle  Ages,  Woodbridge  1989;  ferner  Schirok,  Bernd:
Parzivalrezeption  im  Mittelalter,  Darmstadt  1982,  S.  I52ff.  Vgl.  auch  die  Metzer
Ofenkachel  des  15.  Jhs.  mit  Karl  dem  Großen  als  reitendem  Schwertkämpfer  (mit
Lilienzeichen)  in:  Musée  de  Metz  (wie  Anm.  56),  S.  41;  ferner  o.  Anm.  21.
55  Vgl.  Anm.  10.  Beziehungen  zwischen  Metz  und  Reichsstädten,  etwa  Frankfurt,  gab  es
vielfache,  auch  finanzielle.  Vgl.  z.B.  den  spektakulären  Prozeß  des  Frankfurter
Kaufmanns  Fritz  Hofmann  von  Nürnberg  vor  dem  Prager  kaiserlichen  Hofgericht  1394-99
  gegen  seinen  Schuldner,  die  Stadt  Metz,  die  zur  Verhängung  der  Reichsacht  über  les
maistre  eschevin,  ville  et  bourgeois  en  commun  de  la  ville  de  Metz  führte.  Vgl.  Tribout  de
Morembert,  Henri:  „Thilmann  Vuss  de  Bettembourg,  évêque  de  Metz  pendant  le  Grand
Schisme  d’Occident  (1378-1411)“,  in:  Biographie  Nationale  de  Luxembourg  10  (1960),
S.  298-302;  Ders.  (wie  Anm.  15),  S.  65.  Im  Sprichwort  waren  Frankfurt  als  Stadt  des
Reichtums  und  Metz  als  Stadt  des  Wohllebens  (vgl.  Anm.  21)  miteinander  verbunden:
Wenn  Franckfurt  mein  wäre,  so  würde  ich  es  zu  Metz  verzheren.  Vgl.  Teissier  (wie  Anm.
32),  S.  32.  Zu  den  Handelsbeziehungen  Metz-Frankfurt  vgl.  Michelant  (wie  Anm.  10),  S.
418  [Register].
56  Schmitz,  Wilhelm:  „Die  bemalten  romanischen  Holzdecken  im  Museum  zu  Metz“,  in:
Zeitschrift  für  christliche  Kunst  1897,  Sp.  97-102;  Bour  (wie  Anm.  3),  Abbildungsseite
13;  Cadre  de  vie  (wie  Anm.  44),  S.  24f.;  Le  nouveau  Musée  de  Metz  [o.  J.],  S.  23,  24,  28,
32,  56,  58.  Le  Moigne  (wie  Anm.  3),  S.  184ff.  Vgl.  ferner:  Collot,  Gérard:  „Contribution
à  l’étude  de  l’architecture  civile  de  Metz  et  de  sa  région  de  l’époque  médiévale  à  la
Renaissance“,  in:  Annuaire  de  la  Société  d’Histoire  et  d’Archéologie  de  la  Lorraine  80
(1966),  S.  41-99.

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