Full text : Grenzkultur - Mischkultur?

Wörterbücher;40  ferner  ein  lateinisch-deutscher  Psalter.41  Man  kann  diese
deutsch-französisch-lateinische  Offizin  in  Metz  kaum  denken  ohne  das
germanophone,  bilinguale  Milieu  in  den  Metzer  Stadtteilen  Outre-Moselle,
Outre-Seille,  in  denen  oder  in  deren  Nähe  auch  die  Kirchen  mit  den  Patrozinien
der  Trierer  Heiligen  Eucharius  und  Maximinus  und  die  Deutschordenskirche  St.
Elisabeth  standen.
Daß  die  Erzeugnisse  des  Kaspar  Hochfeder  aber  auch  in  Metz  gelesen  wurden,
zeigt  die  stark  am  „passé  impérial  et  germanique“  von  Metz  interessierte
.Epitome  gestorum  Mettensium4  des  Antoine  d’Esch  (nach  1515),  die  auch  die
für  ihn  schon  in  der  Vorzeit  entstandenen  „neuen  Viertel“  der  Deutschen  in
Metz  erwähnt,  der  vor  allem  aber  die  deutsche  Übersetzung  der  ,Gesta
Treverorum4,  in  Metz  von  Caspar  Hochfeder  gedruckt,  benutzte,  also  wohl
zweisprachig  war.42
Ob  auch  der  zwischen  1519  und  1520  in  Metz  weilende  Okkultgelehrte,
Wunderarzt,  Magier,  Glücksjäger  und  Hochstapler  Heinrich  Cornelius  aus
Köln,  der  sich  selbst  Agrippa  von  Nettesheim  (1486-1535)  nannte,  in  diesem
bilingualen  und  wohl  kulturoffenen  Milieu  seinen  Rückhalt  fand,  als  er  sich  für
eine  der  Hexerei  Verdächtigte  einsetzte  und  von  der  Stadt  als  eine  Art  Orator
und  -  zugleich  -  Finanzberater  angestellt  wurde,  was  ihm  selbst  aber  wenig
einbrachte?  Er  bedankte  sich  mit  einer  gedruckten  Invektive  gegen  die  Stadt
Metz  .Omnium  bonarum  litterarum  virtutumque  noverca,  civitas  Metensis4
(gedr.  1519),  in  der  er  gegen  die  angebliche  intellektuelle  Sterilität  der  Stadt  zu
Felde  zog:  Metz  als  .Stiefmutter4,  nicht  mater,  aller  guten  Literatur  und  aller
Tugenden,  das  ist  sicherlich  ein  zweifelhaftes  Kompliment.43

Moyen  Age,  Lille  1986,  S.  35;  Vogel,  Sabine:  Kulturtransfer  in  der  frühen  Neuzeit.  Die
Vorworte  der  Lyoner  Drucke  des  16.  Jhs.,  Tübingen  1999.  Ein  Straßburger  Druck  aus
dem  gleichen  Jahr  scheint  allerdings  der  wichtigste  Paralleltext  zu  sein.  Beide  gehen  sie
auf  eine  Vorlage  aus  dem  Jahre  1478  zurück.
41  Van  der  Vekene  (wie  Anm.  33),  S.  81  Nr.  121/1513).  Im  Titel  heißt  es:  Lateynisch
Psalter  mit  dem  t  eut  sehen  der  bey  getruckf,  im  abschließenden  Impressum:  Psalterium
cum  apparatu  vulgari  pro  more  barbarico  translatum  ...  der  Psalter  mit  dem  teutsche(n)
nutzbarkeit  der  psalm  ...  Vgl.  ferner  Benzing,  Josef:  „Kaspar  Hochfeder  zu  Metz  als
Drucker  der  Trierer  Heiligtumsschriften  aus  den  Jahren  1512-1517“,  in:  Trierisches
Jahrbuch  1957,  S.  30-36,  hier  S.  36.
42  Die  Handschrift  der  Chronik  wird  in  Berlin  [SB  lat.  4o  Nr.  480  (2)]  aufbewahrt.  Antoine
d’Esch  wirkte  auch  als  Priester  in  Trier.  Er  benutzte  ferner  Werke  des  Abtes  Johannes
von  Trittenheim  (Trithemius),  1462-1526.  Vgl.  den  Vortrag  von  Chazan,  Mireille  (Metz)
auf  dem  Metzer  Kongreß  .Frontières4:  «  L'Epitome  gestorum  Metensium  d’Antoine
Esch:  une  chronique  au  carrefour  des  influences  allemandes,  françaises  et  italiennes  »,
erscheint  in:  Actes  du  Colloque  International  „Frontières  (?)  dans  l’Europe  occidentale
et  médiane,  de  l’antiquité  à  l’an  2000“  (Metz,  9  et  10  décembre  1999).
43  Vgl.  Prost,  Auguste:  Les  sciences  et  les  arts  occultes  au  XVIe  siècle.  Corneille  Agrippa,
sa  vie  et  ses  oeuvres,  Paris  1881/82,  2  Bde.;  Bonnardot  (wie  Anm.  4),  S.  33lf.;
61
            
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