Full text: Grenzkultur - Mischkultur?

Danach waren die Stadtteile Outre-Seille und Outre-Moselle im Jahre 1522 
mehrheitlich oder doch zu beachtlichen Teilen deutschsprachig. Gerade im 
Seillebogen bei der Porte des Allemands und um die Rue des Allemands und in 
der Vorstadt St. Elisabeth war aber auch der Deutsche Orden durch eine 
Niederlassung und intensiven Besitz vertreten.14 Unter den an den Deutschen 
Orden gebundenen Metzer Zinspflichtigen und Grundbesitzern gab es viele mit 
völlig deutschen Namen; ja, zahlreiche hier gelegene Metzer Straßen und 
Oberweis, Michael (Hgg.); Grenzen erkennen - Begrenzungen überwinden. Festschrift 
Reinhard Schneider, Sigmaringen 1999, S. 237-248. 
14 Vgl. Heckmann (wie Anm. 13), S. 243ff.; Ders. 1989 (wie Anm. 12), S. 58ff; ferner 
Roussel, Bernard: „Les premières dissidences réligeuses du XVIe siècle à Metz (Hiver 
1523 — Été 1525)“, in; Châtellier, Louis (Hg.): Les réformes en Lorraine (1520 -1620), 
Nancy 1986, S. 14. Die Chronik des Jacomin Husson berichtet für das Jahr 1405 von der 
Zweisprachigkeit einer öffentlichen Bekanntmachung im Bereich dieses Viertels: une 
femme bien près de la porte des Allemants se pendit, laquelle fut mise par le bouriaul en 
ung tonnelz bien clouz et avoit en escript en alternant et en romant: « boutez la avant, 
lassez l'aller: c’est per Justice ». Vgl. Michelant, Henri (Hg.): Chronique de Metz de 
Jacomin Husson 1200-1525, Metz 1870, S. 139 (freundlicher Hinweis von Michael 
Oberweis, Saarbrücken). Im Jahre 1519 werden Briefe zur bevorstehenden Kaiserwahl in 
Metz in Deutsch angeschlagen. Im Jahre 1522 läßt der Magistrat der Stadt dem Volk der 
Stadtteile Outre-Moselle und Outre-Seille eine Treueidformel erst auf Deutsch, dann auf 
Romanisch vorsprechen. Und wohl auf diese Stadtteile ist der Eindruck des nach 1547 in 
französischen Diensten stehenden, aus Hessen gebürtigen Landsknechts Hans Wilhelm 
Kirchhoff zu beziehen, der in seiner 1602 gedruckten Anekdotensammlung ,Wend- 
unmuth‘ äußerte: Die einwohner gemelter Staat [d. h. Metz] gebrauchen sich, 
mehrertheils der teutschen, andertheils der lotharingischen oder welschen sprachen, die 
dritten aber reden beide welsch und teutsch, neigen sich doch mehr auf der welschen 
dann der teutschen seiten. Vgl. Graf (wie Anm. 3), S. 102. Überhaupt wären die in den 
Metzer Chroniken so häufig genannten Söldner deutscher Herkunft der Stadt in die 
Fragestellung miteinzubeziehen. Z. B. gibt es 1492 Aufruhr um zwei soldairs allemants 
de la cité de Mets, 1’ung nommé Brache et l’autre Xenorbach [Schönenbach?]. Vgl. 
Huguenin (wie Anm. 11), S. 578, Auch bei der Verwaltung dieser Söldner wurden 
Deutsche beschäftigt. Im Jahre 1485 z. B. werden plusieurs compaignons soldoieurs de 
Metz avec Martin Dinguenhem [Martin von Ingenheim, Gde. Billigheim, Kr. Südl. 
Weinstraße], clerc et secretaire des seigneurs sept de la guerre (ebd., S. 474) ausgesandt. 
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