der Arbeitgeber bei Unfällen, die der Arbeitnehmer wegen der schlechten
Qualität der Werkzeuge, wegen des mangelhaften Zustandes oder des fehlenden
Unterhalts der Maschinen erleidet, schadensersatzpflichtig wird. Eine
Beweislastumkehr soll dann stattfinden, wenn der Arbeitnehmer das fehlerhafte
Werkzeug in Kenntnis der Mängel entgegen genommen hat oder wenn deren
Unterhalt zu seinem Pflichtenkreis gehörte. Als weitere Ausnahme, die endlich
die traditionelle Sicht bestätigen würde, wird schließlich das mit einem Beruf
verbundene Risiko genannt.5 Wenn man jedoch den Urteilen nachgeht,6 die
gestützt auf den Gedanken eines Risikoentgeltes eine Haftung des Arbeitgebers
ausschließen, sieht man rasch, daß von einer langdauernden Tendenz der
Rechtsprechung in diesem Punkt keine Rede sein kann.7
Bemerkenswerterweise bietet auch das große Répertoire von Dalloz, das zwanzig
Jahre später die These des Risikoentgeltes vertritt, dazu kaum Judikatur,
sondern weist zunächst auf eine Akademieabhandlung hin;8 das einzige einschlägige
Urteil aus Metz vom Jahre 1864 wird überdies mit einem Vorbehalt
versehen.9 Zudem wird im folgenden Jahrzehnt in einem ähnlich gelagerten
Fall diese Linie höchstrichterlich korrigiert: 1877 gewährte nämlich die Cour
de Dijon einem Arbeiter, der in einem Hüttenwerk von Schneider Creusot
6 Mollot, François Etienne: Le contrat de louage d’ouvrage et d’industrie, Paris 1846, S.
87 f. (n° 181 f.); bemerkenswert ist, daß Mollot S. 89 (n° 182 bis) mit den gleichen
Überlegungen die Haftung des Arbeitgebers für Krankheitsrisiken verneint, den
Fortschritt der Wissenschaft aber sehr optimistisch beurteilt: „La science a découvert des
procédés qui protègent le travailleur, et les chefs de fabrique ne reculent devant aucune
dépense pour employer les appareils préservatifs qu’elle conseille“.
6 Vgl. Lyon 29 déc. 1836, Rép. D. 39 (1858) 427 (Responsabilité n° 632) und Toulouse
26 janv. 1839, Mémorial de Jurisprudence de la Cour royale [...] de Toulouse 38 (1839)
S. 281-283.
7 Dies entgegen den Behauptungen von Ewald, François: „Formation de la notion
d’accident du Travail“, in: Sociologie du travail 23 (1981) S. 3-13, 5 ff., der sich mit den
zwei oben Anm. 6 zit. Urteilen auf eine allzu schmale Materialbasis stützt. Toulouse 26
janv. 1839 läßt zudem erkennen, daß anders, als es Saleilles dargestellt hat, die Beweislast
bezüglich des Verschuldens umgekehrt war, denn der Arbeitgeber durfte oder mußte den
Entlastungsbeweis antreten. Lyon 13 déc. 1854, D.P. 1855.2.86 statuiert dann eine viel
schärfere Haftung des Arbeitgebers: „Attendu qu’il est du devoir des chefs
d’établissements industriels de pourvoir complètement à la sûreté des ouvriers qu’ils
emploient, et qu’ils sont responsables, vis-à-vis de ceux-ci, de tous les accidents et
dommages qui peuvent provenir, soit des vices de construction ou du défaut d’entretien
des machines et appareils, soit de ta négligence ou de l’inhabileté des préposés aux divers
services de l’établissement; qu’ils ne peuvent décliner leur responsabilité qu’en cas de
force majeure; [...].“
8 Rép. D. 34 II (1869) 2106 f. (Ouvrier n° 108) unter Bezugnahme auf einen „rapport sur
l’industrie de fer“ von L. Reybaud von der Académie des sciences morales et politiques.
9 Metz 26 mai 1864, Rép. D. 34 II (1869) 2107 (Ouvrier n° 108).
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