nischen Zunamen. Das Geschlecht ,derer von Eichendorff wollen wir auf
seine bajuwarische Genealogie mit mährischen Seitensprüngen lieber gar
nicht erst untersuchen, diese adlige Possierlichkeit würde dann doch zu
weit führen.“5
Allenfalls friedlichen Wettstreit läßt er gelten, wobei der Sieg dann der
besseren zivilisatorischen oder sozialen6 Konzeption zufallen möge. In diesem
Sinne attackierte er 1932 in seinem Erstling Ostwind rabiate sprachliche
Prussifizierungsversuche in der Schule (S. 211) wie im Gerichtswesen (S. 51,
vgl. 197). Oder er karikierte die national verblendete Sprachenrabulistik eines
Professor Larrifarri, der „so überzeugend darzutun verstand, daß in Posen
eigentlich keine Polen wohnten, sondern nur Menschen, die halt die deutsche
Sprache nicht verstünden, was aber noch lange kein Beweis dafür wäre, daß das
keine Deutschen seien“; man solle sie daher besser nicht „Wasserpolacken“
nennen, sondern korrekterweise „Wassermenschen“ (S. 67f, vgl. 152). Zudem
verwahrte sich Scholtis trotz seiner Option für Deutschland gegen jegliche
Form gewaltsamer Akkulturation. Als positives Gegenbeispiel dient im Roman
ein engagierter Volksschullehrer, für den es in seinem eigenen Leben ein reales
Vorbild gab: Karl Sczodrok, den späteren Herausgeber des Oberschlesier. Von
ihm schrieb er:
„Hier beschritt ein deutscher Lehrer Neuland, hob sich aus der Masse, die
unter dem Beruf ächzte und stöhnte. Fühlte, daß die deutsche Nation dieser
Landschaft und ihren Menschen verpflichtet ist, zum mindesten in
demselben Maße, als die Menschen willig ihre Pflicht taten um des
Vaterlandes willen. Hier war endlich ein Lehrer, der begriff, daß die
sprachliche Überschneidung aus dem Slawischen ins Deutsche eine interessante
Menschenmischung ergab, keine Rasse und schon lange keine reine,
aber eine Helligkeit des Intellekts, eine Helligkeit, die ihre Früchte in die
Zukunft hineinblühen läßt.
Dieser Lehrer organisierte eine Bücherei, opferte selbst sein Gehalt für
diese Pläne, veranstaltete Theaterabende, und es kam soweit, daß während
seines Unterrichts kein Junge schwänzte, selten einer krank zu Hause blieb.
Denn der Rohrstock war feierlich verbrannt worden, zum Gaudium der
Jungens.
Mit etwa zweihundert solchen Lehrern ließe sich Oberschlesien für die
deutsche Nation retten.“7
Nun waren die Zeiten, in die Scholtis’ Schlesien-Romane bzw. -diagnosen fielen,
alles andere als Epochen, in denen die Politik Zurückhaltung in
5 Ebd., S. 37.
6 Hier vertraute er auf die vor allem von Deutschland ausgehende industrielle Erschließung
des Landes, der er mittelfristig demokratisierende und entfeudalisierende und zum Teil
auch eine entklerikalisierende Funktion zusprach. Insofern ist es richtig, ihn als Werber
für die deutsche Sache zu bezeichnen, allerdings ohne Befürwortung nationalstaatlicher
Repression. Vgl. Scholtis: Reise, S. 167.
7 Scholtis: Ostwind, S. 213.
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