chen Rose Bradwardine, die Elemente der viktorianischen angel in the house
antizipiert, auch seine eigene Entwicklung zum man of sense and virtue. Die
domestizierte, bürgerliche Liebe als die dauerhaftere und modernere Form der
Intimität trennt deutlich das Öffentliche vom Privaten und nimmt Partei für
den Prozeß der Zivilisation im Sinne der Verfeinerung der Sitten. Wenn
Waverleys Zukünftige noch an revolutionären Aktionen teilhat, so nur um den
Geliebten nächtens aus Feindeshand zu retten, nicht aus politischer Überzeugung.
Zugleich aber ist sie die farblosere Frauengestalt; Flora steht für die
brennende, jugendlich-unbedachte Liebe und bleibt dem Leser, der die Romanze
immer dem bürgerlichen Roman vorziehen wird, deutlicher im
Gedächtnis.
Ich möchte in der Grundspannung von Scotts Waverley zwischen Realismus
und Romantik, zwischen Prosa und Poesie, zwischen Distanzierung und
Identifikation die besondere Stärke dieser Dichtung sehen. Sie markiert einerseits
Grenzen, politische Grenzen, Zeitgrenzen, Landesgrenzen und Grenzen
zwischen Verhaltensmustem und Sitten, vermag aber bei aller Nostalgie historische
Notwendigkeiten anzuerkennen und komplexe Hybridisierungen zu gestalten.
Es ist offenbar, daß Scott hier einen Weg beschritten hat, der mit der graduellen
Entzauberung der Romantik, für welche Waverleys Desillusionierungsprozeß
steht, einer rationalen, unaufgeregten Politik des Ausgleichs
den Weg bahnt, bei der für die Schotten das Britische neben dem regional
Schottischen stehen kann, wie heute das Schottische neben dem Europäischen.
Scotts Vermittlungsarbeit, seine Grenzaufhebungen sind vorbildlich für die
Wegbereitung eines föderalen Europa, in dem das Nationale sich als
folkloristisches Kolorit und als Brauchtum erhält, ohne politische Autonomie
vorauszusetzen. In diesem Sinne kann die Union von 1707 trotz der mit ihr
verbundenen Korruptionsaffären rückblickend als ein beispielhaftes Ereignis
interpretiert werden auf dem Wege zur Aufhebung von politischen Nationalismen
und nationalen Grenzbestimmungen. Gewiß, 1603 war es leicht für
die Schotten, die Übernahme des englischen Königshauses unter den Stuarts zu
akzeptieren, wie anders aber ist die freiwillige Selbstabschaffung des
schottischen Parlaments im Jahre 1707 zu bewerten, so sehr sie auch unter dem
Einfluß englischer Geldflüsse und gegen den Willen der Mehrheit der Schotten
erfolgte. Scotts Hybridisierungen können ebenso wie die schottische Geschichte
Beispiele geben für eine unaufgeregte Überschreitung von Nationalismen und
Nationalgrenzen bei Erhalt der nationalen Identität im Bereich der Kunst, der
Folklore und des Brauchtums, geht es Scott bei seinem Roman doch vor allem
um customs and manners. Ja, Scott selbst, der Unterstützer der Union, kann
auch als Mitbegründer des Highland Myth gelten, wobei das clan System sich
als Statthalter politischer Traditionen präsentieren konnte, nachdem die
Hochlandkultur, ehemals verachtet, im 18. Jahrhundert für die schottische Identität
wie für den schottischen Tourismus maßgebend wurde. Die Pflege des
Volksguts und die Hinwendung zu größeren politischen Einheiten inklusive der
Abschaffung der eigenen Autonomie schließen sich nicht aus, das kann uns
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