Full text : Grenzkultur - Mischkultur?

vor,  vor  allem  dekoriert  er  das  Wohnzimmer  mit  einem  neuen  Ölgemälde  im
Speisesaal:
It  was  a  large  and  spirited  painting,  representing  Fergus  Mclvor  [der
schottische  jakobitische  Rebell,  der  hingerichtet  wurde]  and  Waverley  in
their  Highland  dress,  the  scene  a  wild,  rocky,  and  mountainous  pass,  down
which  the  clan  were  descending  in  the  background.  [...]  the  ardent,  fiery,
and  impetuous  character  of  the  unfortunate  Chief  of  Glennaquoich
[Mclvor]  was  finely  contrasted  with  the  contemplative,  fanciful  and
enthusiastic  expression  of  his  happier  friend.  Beside  the  painting  hung  the
arms  which  Waverley  had  borne  in  the  unfortunate  civil  war.  (489)
Romantische  Landschaft  und  romantische  Kleidung  zeigen  Waverley  als
Parteigänger  der  Jakobiten  in  seiner  enthusiastischen  Verblendung,  zeigen  aber
auch,  zumindest  in  bildlicher,  ästhetisierter  Form,  die  Vereinigung  Schottlands
und  Englands.  Die  Topoi  der  Romantik  werden  hier,  gegen  Ende  des  Romans,
nach  Vollendung  von  Waverleys  Bildungsweg,  aufgerufen,  um  die  Vereinigung
der  Nationen  zu  feiern.  Gewiß,  in  ästhetisierter  Form,  denn  eine  eigentliche
Gefahr  kann  von  Mclvor,  der  inzwischen  hingerichtet  wurde,  nicht  mehr  ausgehen.
  Die  ästhetische  Distanz  erkennt  zweierlei  an:  zum  einen  kann  sie  die
Utopie  der  vollendeten  Versöhnung  zwischen  Highlander  und  Engländer  anzeigen,
  also  die  endlich  vollständig  vollzogene  Union  und  die  Pazifizierung  der
Königreiche,  zum  anderen  kann  sie  in  der  kontemplativen  Betrachtung  der  ästhetisierten
  und  zugleich  stillgestellten  Revolution  Nostalgie  anklingen  lassen
und  die  Entrückung  der  Hochlandkultur  anzeigen,  welche  nur  noch  in  der  historisierenden
  Bildkunst  zu  vollem  Leben  erwacht.  Dabei  erweist  sich  Scott  als
Realpolitiker  mit  Herz:  Vom  Verstand  geleitet,  hat  er  die  Entmachtung  der
Jakobiten  als  dem  Fortschritt  nützlich  anerkannt,  aber  das  Herz  hängt  an  der
poetischeren,  heroischeren  Vergangenheit,  welche  zu  bewahren  Aufgabe  dieses
Gemäldes  wie  auch  des  historischen  Romans  selbst  ist.  Es  ist  diese  Spaltung
zwischen  politischem  und  ökonomischem  Kalkül  einerseits  und  patriotischen
Gefühlen  andererseits,  die  Scotts  eigene  Lebenswelt  bestimmt,  wie  er  in  einem
Brief  aus  dem  Jahre  1813  bekennt:
Seriously  I  am  very  glad  I  did  not  live  in  1745  for  though  as  a  lawyer  I
could  not  have  pleaded  Charles’s  right  and  as  a  clergyman  I  could  not
have  prayed  for  him  yet  as  a  soldier  I  would  I  am  sure  against  the
convictions  of  my  better  reason  have  fought  for  him  even  to  the  bottom  of
the  gallows.7
Daß  diese  Spaltung  bis  in  die  Gegenwart  reicht,  zeigt  die  Nachbemerkung:
But  I  am  not  the  least  afraid  nowadays  of  making  my  feelings  walk  hand

Brief  an  Margaret  Clephane,  Juli  1813,  zit.  nach  P.H.  Scott:  „The  Politics  of  Sir  Walter
Scott“,  in:  Scott  and  His  Influence,  Papers  of  the  Aberdeen  Scott  Conference  1982,  ed.
J.H.  Alexander  und  David  Hewitt,  Aberdeen  1983,  S.  208-217,  S.  208.

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