minierende Motor der nationalen Bewegung. Die Nationswerdung war in dieser
Zeitspanne eine einheitlich kulturelle Angelegenheit.
Während eines weiteren Stadiums der Nationswerdung, dem sogenannten
Agitationsstadium, handelten Gruppen von Intellektuellen bereits mit einem
Sendungsbewußtsein. Erste Organisationen - Zirkel, Vereine - entstanden.
Unierte Geistliche in Siebenbürgen versammelten sich in der „ijcoala
Ardeleanä“ (Samuel Micu-Klein, Gheorghe §incai und Petre Maior), die die
Gedanken und Ideen Inochenjie Micu-Kleins aufgriff und damit begann, sie
unter die Bevölkerung zu tragen. Die damit bekundeten politischen Inhalte waren
mit sozialen Forderungen verbunden. Die geistliche Führung galt noch in
den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts offiziell als Sprecher der Rumänen
Siebenbürgens. Der unierte Bischof Ioan Lemeny vertrat noch 1841 als einziger
die Interessen der Rumänen im siebenbürgischen Landtag.4^ in Galizien kümmerte
sich die „Gesellschaft der griechisch-katholischen Geistlichkeit“ (1816
gegründet) um die Verbreitung von religiösen Schriften in ukrainischer
Sprache. Ein besonderes Phänomen war hier der Sprachenstreit (Kirchenslavisch
- Ukrainisch - Großrussisch).* 41
Doch bereits im Agitationsstadium nahmen die unierten Kirchen bei den
Ruthenen und Rumänen unterschiedliche Rollen ein. Die unierten Rumänen waren
eine Minderheit unter der Führung des Primas der römisch-katholischen
Kirche in Ungarn. Der spätestens nach der Revolution von 1848/49 dominierende
Einfluß der Magyaren in der katholischen Kirche der Östlichen Hälfte der
Habsburger Monarchie führte dazu, daß die künftig zu errichtende Metropolie
der unierten Rumänen (1853) lediglich auf kirchlich-liturgischem Gebiet eine
Autonomie besaß.
Während die ruthenischen unierten Geistlichen Galiziens als einzige religiöse
Schicht nationales Gedankengut verbreiteten, trat neben die rumänischen
unierten Geistlichen auch der orthodoxe Klerus an die Spitze der nationalen
Bewegung.42 In allen Fällen hielt der Prozeß der Klärung der nationalen
Marschroute auch in dieser zweiten Phase der Nationswerdung an.
Die Revolution von 1848/49 markierte schließlich den Übergang zur Phase der
Massenbewegung. Innerhalb dieses politischen Stadiums wurden breite Schichten
der Bevölkerung von der nationalen Agitation erfaßt. 1848 steht für das
entscheidende Jahr in der europäischen Nationalitätenpolitik. Das Nationalstaatsprinzip
setzte sich geistig und politisch immer deutlicher durch.
40 Köpeczi (Anm. 38), S. 470-471.
41 Magocsi, Paul Robert: History of Ukraine, Toronto 1996, S. 397-405.
42 Suttner, Kirche und nationale Identität (Anm. 17), S. 50.
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