„Barbareum“ gegründet. Dieses und die Nachfolgestätte dienten nicht allein der
theologischen Ausbildung, sondern auch als Begegnungsstätte und der
Aufnahme neuer Ideen. Lemberg mit der 1784 gegründeten Universität wurde
zum kulturellen Mittelpunkt der Ruthenen.
In Siebenbürgen entwickelte die unierte Geistlichkeit die Argumente, die zur
Grundlage der nationalen Bewegung werden sollten, ein entsprechendes
Geschichtsbild, das auf Sprache, Herkunft und Alter der Rumänen gründete.
Außerdem war der Einwand der zahlenmäßigen Mehrheit der Rumänen
Siebenbürgens ein häufig gebrauchter. Maßgebende Gestalt bei den siebenbürgischen
Rumänen in dieser Etappe war der Bischof Inochenjie Micu-Klein.
Micu-Klein machte Begriffe wie „Nation“ - als Standesnation verstanden - und
„Volk“ in der kleinen rumänischen Intellektuellenschicht hoffähig.38 Nach der
Einrichtung des Bischofssitzes in Blasendorf 1737 wurde die Stadt zu einem
„kleinen Rom“ und auch zum wichtigsten geistigen Zentrum der Rumänen.
Unter den verschiedenen Einrichtungen kam es 1754 auch zur Eröffnung der
ersten rumänischen Schulen in Blasendorf. Erste Grammatiken und
Wörterbücher in rumänischer Sprache wurden eingeführt.
Die Schaffung einer neuen Elite, mit der Wien Zusammenarbeiten sollte, war
jedoch nicht auch das Anliegen der Nachfolger Josephs II. Die Kaiser Leopold
II. und Franz I. arbeiteten mit der bestehenden führenden Schicht in den neuen
Provinzen zusammen. So wurde in Galizien in den Grundschulen die ruthenische
durch die polnische Sprache ersetzt. Trotz dieses Bruchs in der Wiener
Politik sind die Grundlagen für eine ruthenische Nationalentwicklung gelegt
worden. Ruthenische Geistliche bemühten sich um die Gründung von ruthenischen
Schulen sowie die Publikation von Elementarschulbüchern. Das vordringlichste
Ziel der Intelligenz war die Schaffung einer eigenen Identität.
Neben Geschichte und Ethnographie stand die Suche nach einer literarischen
Sprache im Mittelpunkt. Der griechisch-katholische Klerus kam diesen
Bestrebungen entgegen, ging es ihm doch auch um die seit den Unionsabschlüssen
festgeschriebene und noch nicht in die Praxis umgesetzte Gleichberechtigung
der unierten Geistlichkeit mit dem römisch-katholischen Klerus.38 39
In dieser Phase, die bei Ruthenen und Rumänen zu verschiedenen Zeiten begann
und unterschiedlich lang andauerte, war die unierte Geistlichkeit der do¬38
Hitchins, Keith: , An East European Elite in the Eighteenth Century: The Rumanian Uniate
Hierarchy“, in: Jäher, Frederic Cople (Hg.), The Rich, the Well Born, and the Powerful,
Chicago-London, S. 139-153; Mitu, Sorin: Geneza identitäfH najionale la romänii
ardeleni, Bucure§ti 1997; Köpeczi, Bela (Hg.): Kurze Geschichte Siebenbürgens,
Budapest 1990, S. 418-420, 465-467.
39 Korczok, Anton: Die griechisch-katholische Kirche in Galizien, Leipzig-Berlin 1921, S.
25-31.
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