Aussicht auf soziale Besserstellung lockte die Geistlichkeit. Anders als in Polen
war der Protestantismus in Siebenbürgen in seiner calvinischen Ausprägung
dadurch, daß der Fürst aktiv dafür eintrat, in der Offensive. Die Union wurde
wie in Polen ebenfalls durch Synodalakten 1697 erstmals angenommen. 1699
stellte Kaiser Leopold die Urkunde über die Union und die Gleichstellung der
unierten mit der katholischen Geistlichkeit aus, die 1700 in Karlsburg ratifiziert
wurde.25 Doch die vom orthodoxen Bischof geschlossene Kirchenunion mit
Rom wurde nicht von allen Geistlichen angenommen. Während einige beim
orthodoxen Christentum blieben, traten die anderen zur Union über.2^
Die Rolle der Unierten Kirchen im Nationsbildungsprozeß der Ruthenen
und Rumänen
Für die weitere Entwicklung der unierten Kirche in Polen war die politische
Neuordnung des Königreiches entscheidend. Der nach der ersten Teilung von
1772 an Österreich gefallene Teil Polens wurde zum Kronland Galizien. Die
Kirchenbezirke Przemysl und Lemberg blieben bis nach dem Zweiten Weltkrieg
erhalten, während die von Rußland eingenommenen Teile der unierten
Kirche im Laufe des 19. Jahrhunderts aufgelöst wurden.27
Unter österreichischer Herrschaft gelang der unierten Kirche der Ausbau der
inneren Organisation sowie die Ausschaltung des Gegners der Union. Die
Emanzipation der unierten Geistlichen gegenüber dem polnischen und ungarischen
Klerus war der Grundstein für die Entwicklung eines jeweils eigenen ruthenischen
und rumänischen Nationalbewußtseins.
Mit der Konfessionalisierung hatte bereits vor allem unter den Bauern die
Religionsbezeichnung eine ethnisch-pränationale Bedeutung erlangt. Dies betraf
insbesondere die Gläubigen der unierten Kirchen. In diesem Zusammenhang
muß die enge Verbindung von Konfession und Nation, die Bedeutung der
Konfession für die Nationswerdung im 18. und 19. Jahrhundert in Ostmitteleuropa
beachtet werden.28
25 Cämapu, Pamfil: „Unirea Romänilor Transilväneni cu biserica Romei“, in: Biserica
Romàna Unità, Madrid 1952, S. 1-51; Rumpler (Anm. 23), S. 306-307; kritisch dazu
Florescu (Anm. 8), S. 330-331.
26 Conze, Ostmitteleuropa (Anm. 6), S. 222-226; Florescu (Anm. 8), S. 330-331.
27 Allgemein zur Phase der österreichischen Herrschaft vgl. Rudnytsky, Ivan L.: „The
Ukrainians in Galicia Under Austrian Rule“, in: Andrei Markovits/Frank E. Sysyn
(Hgg.), Nationbuilding and the Politics of Nationalism. Essays on Austrian Galicia,
Cambridge, Mass. 1982, S. 23-67.
28 Turczynski (Anm. 17).
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