Full text: Grenzkultur - Mischkultur?

Welche Seite mehr für dieses geringe Interesse verantwortlich ist, können wir 
nicht beurteilen. Auf eine Anfrage beim Saarländischen Rundfunk, welche 
Vermarktungsstrategie dieser in Frankreich für seine Konzertaufführungen etc. 
verfolge, antwortete man uns, daran habe man noch gar nicht gedacht ... Eine 
grenzüberschreitende Kooperation des Staatstheaters, etwa mit dem Theater¬ 
verein „Le Carreau“ in Forbach, wird als schwierig bezeichnet, obwohl gerade 
dessen engagierter Direktor und seine jungen Mitarbeiter kreativ und innovativ 
gemeinsame Projekte mit anderen Akteuren der Theaterszene jenseits der 
Grenze erfolgreich initiiert haben (s.u.). Bei den Recherchen über die Zusam¬ 
menarbeit im Kultursektor bekamen wir den Eindruck, daß solche kreativen 
Formen grenzüberschreitender Beziehungen mit großen, etablierten Institutio¬ 
nen wie Rundfunk und Staatstheater schwieriger umzusetzen sind. Kommen wir 
daher zu neuen Formen von Kulturzusammenarbeit und -austausch. 
Zwei interessante Beispiele für in jüngster Zeit entstandene Netze grenzüber¬ 
schreitender Kulturbeziehungen im Bereich des Theaters stellen „Le Carreau“ in 
Forbach und „Perspectives“ in Saarbrücken dar.7 Der 1996 gegründete Verein 
„Le Carreau“ wird finanziell getragen vom Pariser Kulturministerium, der 
Stadt Forbach, der Region und dem Kommunalverband im Raum Forbach - 
Freyming-Merlebach. Wie es außerhalb von Paris fast die Regel ist, unterhält 
„Le Carreau“ kein eigenes Ensemble, engagiert aber als sogenannte Scene na¬ 
tionale regelmäßig namhafte französische Sprech-, Musik- und Tanztheater¬ 
gruppen. Für das Programm wird auch im Saarland geworben; Karten zu den 
Veranstaltungen bietet u.a. das Kulturbüro der Stadt Saarbrücken an. Seit 
1996/97 kooperiert man mit „Perspectives“, dem seit 1978 jährlich in 
Saarbrücken (!) stattfindenden Festival des jungen französischen Theaters. 
Zunächst beschränkte sich die Kooperation darauf, für „Perspectives“ zu wer¬ 
ben und sogar einen Bustransport für das eigene Publikum zu organisieren. Im 
darauffolgenden Jahr kam es zu einer echten Zusammenarbeit: „Le Carreau“ 
bildete eine Gruppe deutscher und französischer Tanzamateure, die gemeinsam 
eine Aufführung einstudierten. 
Außerdem engagiert sich „Le Carreau“ bei dem jährlich stattfindenen 
Völklinger Kulturfestival „Schichtwechsel“. Alternierend findet die Eröffnung 
dieser Veranstaltung in Völklingen oder in dessen Partnerstadt Forbach statt. 
Gemeinsam mit der Kreisvolkshochschule Saarlouis und dem dortigen 
Kulturamt bietet „Le Carreau“ seit zwei Jahren ein Abonnement für Auffüh¬ 
rungen in französischer Sprache an, wobei die Kosten von beiden Seiten 
getragen werden. Ferner beteiligte man sich 1999 an den Feierlichkeiten zum 
Für umfangreiche Informationen über die grenzüberschreitende Kulturzusammenarbeit 
beider Einrichtungen sei an dieser Stelle Frau Sylvie Hamard (Le Carreau, Forbach) und 
Herrn Christian Caimacan (Perspectives du Théâtre, Saarbrücken) gedankt. Wertvolle 
Auskünfte über die grenzüberschreitende, interkommunale Kulturzusammenarbeit 
erhielten wir von Herrn Ulrich Andres, Kulturamt der Stadt Saarbrücken. 
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