Full text : Grenzkultur - Mischkultur?

Westkirche  begegneten.  Der  Schwerpunkt  soll  im  folgenden  komparativen
Einblick,  der  sich  auf  den  bestehenden  Forschungsstand  konzentriert,^  auf  jene
in  Polen,  nach  der  Teilung  dann  in  Galizien  und  in  Siebenbürgen  sich  manifestierenden
  Glaubensgemeinschaften  gelegt  werden,  wobei  zur  Verdeutlichung
ein  kurzer  Blick  auch  auf  Karpatoruthenien  geworfen  wird.
Das  1054  vollzogene  Schisma,  das  die  Ausbildung  einer  Strukturgrenze  besiegelte,
  wurde  von  der  Ost-  wie  auch  der  Westkirche  nie  als  endgültiger  Zustand
angesehen.  Doch  die  aus  dem  imperialen  Machtstreben  hervorgegangenen
Unionen  orthodoxer  Christen  mit  der  römisch-katholischen  Kirche  führten  infolge
  der  Konfessionalisierung  zu  neuen  „frontières  religieuses“  und  Spaltungen,
  wo  vorher  Einheit  geherrscht  hatte.8 9  Die  unierte  Kirche  wurde  zu  einer
„grenzgängerischen  Institution“,10  die  selbst  für  die  Wandelbarkeit  der  Grenzen
steht.  Ihre  Position  an  der  Grenze  führte  auch  dazu,  daß  in  ihr  Einflüsse  der
verschiedenen  benachbarten  Reiche  und  Regionen  hervortraten.11
Zentral  erscheint  in  diesem  Zusammenhang,  nach  der  Entstehung  eines  eigenen,
sich  vom  Osten  und  Westen  unterscheidenden  kulturellen  und  nationalen  Sinn¬8

  Dazu  ausführlicher  Maner,  Hans-Christian:  „Unierte  Kirchen  und  Nationsbildungsprozesse
  im  ostmitteleuropäischen  Vergleich“,  in:  Comparativ  8  (1998),  Heft  5,  S.  92-105.
  Für  die  Unierte  Kirche  Galiziens  s.  die  neueste  Veröffentlichungen  v.  Himka,  John
Paul:  Religion  and  Nationality  in  Western  Ukraine.  The  Greek  Catholie  Church  and  the
Ruthenian  National  Movement  in  Galicia,  1867-1900,  Montreal  and  Kingston  1999;
Turii,  Oleh:  „Die  Griechisch-Katholische  Kirche  und  die  Entstehung  der  ukrainischen
nationalen  Bewegung  in  Galizien“,  in:  Ostkirchliche  Studien  47  (1998),  Heft  1,  S.  3-21.
Für  die  Unierte  Kirche  Siebenbürgens  gibt  es  noch  keine  neuere  Darstellung.  Dazu
Fîorescu,  Radu  R.:  „The  Uniate  Church:  Catalyst  of  Rumanian  National  Consciousness“,
in:  The  Slavonie  and  East  European  Review  45  (1967),  S.  324-342.
9  Suttner,  Emst  Christoph:  „Theologische  und  nicht-theologische  Motive  für  die  Unionen
von  Maria,  von  Uzgorod  und  von  Siebenbürgen“,  in:  Ders.,  Kirche  und  Nation.  Beiträge
zur  Frage  nach  dem  Verhältnis  der  Kirche  zu  den  Völkern  und  der  Völker  zur  Religion,  2
Bde.,  Würzburg  1997,  S.  118  (s.  auch  den  Abdruck  in:  Ostkirchliche  Studien  45  (1996),
S.  136-145).  Vgl.  allgemein  auch  Garrisson,  Janine:  „Leçon  inaugurale“,  in:  Robert
Sauzet  (Hg.),  Les  frontières  religieuses  en  Europe  du  XVe  au  XVIIe  siècle,  Paris  1992,  S.
11-12;  dazu  auch  Schmale,  Wolfgang:  „„Grenze“  in  der  deutschen  und  französischen
Frühneuzeit“,  in:  Wolfgang  Schmale/Reinhard  Stäuber  (Hgg.),  Menschen  und  Grenzen  in
der  Frühen  Neuzeit,  Berlin  1998,  S.  53.
10  Wendland,  Anna  Veronika:  „Der  Metropolit.  Ein  Versuch  über  Andrej  Szeptycki“,  in;  Ji
1997,  Heft  11,  S.  109.
11  Hierzu  Hösch,  Edgar:  „Kulturgrenzen  in  Südosteuropa“,  in:  Südosteuropa  47  (1998),
Heft  12,  S.  611,  614-615;  s.  auch  den  historischen  Überblick  bei  Evans,  R.  J.  W,:  „Essay
and  Reflection:  Frontiers  and  National  Identities  in  Central  Europe.“  In:  The  International
History  Review  14  (1992),  Heft  3,  S.  480-502.

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