Full text : Grenzkultur - Mischkultur?

deutsch-französische  kulturelle  Zusammenarbeit  (Interhost  2000)  erfaßt  werden,
bilden  jene  der  Rubrik  „Wirtschaft“  die  größte  Gruppe.  Mit  relativ  großem
Abstand  folgen  die  Kooperationen  der  Rubrik  „Kultur“,  die  grundsätzlich
wichtige  Beiträge  leisten  zum  besseren  Verständnis  der  Nachbarn  (Abb.  3a).
Bei  näherer  Betrachtung  fällt  auf,  daß  in  der  Wirtschaft  bi-polar  ausgerichtete
Kooperationen  dominieren,  speziell  zwischen  Einrichtungen  in  Oberzentren  wie
Saarbrücken,  Metz  oder  Nancy,  d.h.  sie  überspringen  den  grenznahen  Raum.
Dagegen  hat  der  institutionalisierte  Kulturaustausch  den  geringsten  Anteil  an  bipolaren
  Beziehungen,  viel  stärker  vertreten  sind  polare  Beziehungen  zwischen
einem  Zentrum  und  einem  zweitrangigen  Ort  (z.B.  zwischen  Saarbrücken  und
Forbach)  sowie  sog.  laterale  Beziehungen  zwischen  untergeordneten  Zentren
(Abb.  3b).  Hinzu  kommt,  daß  vielfältige,  auch  auf  Partnerschaft  beruhende
Kooperationen  zwischen  Gemeinden,  die  in  den  meisten  Fällen  dem  Bereich
Kultur  zuzuordnen  wären,  in  der  genannten  Kooperationsdatenbank  gar  nicht
erfaßt  werden.  Sie  sind  auf  höherer  Ebene  nicht  institutionalisiert  und  werden
i.d.R.  von  den  jeweiligen  Kommunalverwaltungen  getragen.  D.h.  Beziehungen
vor  allem  im  Bereich  Kultur  finden  überwiegend  auf  der  lokal-kommunalen
Ebene  und  zudem  in  informeller  Weise  statt.  Gerade  Beziehungen  auf  dieser
Ebene  aber  zeichnen  sich  durch  besondere  Stabilität  und  Breitenwirkung  aus,
wie  Schulz  (1998)  auch  in  einem  anderen  Zusammenhang  feststellen  konnte.
Dafür  gibt  es  zwei  Gründe:
1)  Sie  werden  i.d.R.  getragen  von  dem  außerordentlichen  Einsatz  einzelner
Persönlichkeiten,  die  Einfluß  auf  die  lokale  Kulturszene  und  eine  wichtige
Multiplikatorfunktion  haben.
2)  Sie  beziehen  die  Bevölkerung  der  beteiligten  Orte  stärker  ein,  lassen  diese  an
der  Beziehung  teilhaben  und  vermitteln  Engagement.
Beispiele  für  solche  Kooperationen  im  Kulturbereich  sind  u.a.  Theater-  und
Musikveranstaltungen.  Im  folgenden  sollen  einige  solcher  Projekte  exemplarisch
  dargestellt  werden,  die  sich  etwas  abheben  gegenüber  den  Aktivitäten
etablierter  großer  Institutionen.
So  schreibt  man  z.B.  dem  Staatstheater  Saarbrücken,  lange  Zeit  die  einzige
große  Bühne  mit  eigenen  Ensembles,  eine  traditionelle  Ausstrahlungskraft  in
den  französischen  Grenzraum  zu.  Von  den  rd.  8.000  Abonnenten  leben  jedoch
nur  ganze  zwei  Prozent  in  Frankreich,  von  denen  der  größte  Teil  überdies
Deutsche  sein  dürften.  Außerdem  besuchen  ca.  50  Angehörige  des  „Collège
amical  Saint-Avold“,  ausnahmslos  Franzosen,  pro  Jahr  sechs  bis  sieben  Aufführungen
  des  Saarbrücker  Staatstheaters.  Darüber  hinaus  bietet  jenes  in
Zusammenarbeit  mit  dem  Institut  d'Etudes  françaises  ein  Abonnement  an,  mit
jährlich  vier  Aufführungen  französischer  Theatergruppen  en  français,  die  zwar
von  Deutschen  und  der  französischen  „Kolonie“  im  Saarland  gut  besucht  werden,
  jedoch  nach  Mitteilung  des  Theaters  nur  wenige  Franzosen  über  die
Grenze  locken.

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