kommunikation“, wo die an der Kommunikation Beteiligten jeweils unterschiedliche
Sprachen sprechen, die Verständigung aber gewährleistet ist; anderseits
können auch die Äußerungen der Kinder sprachlich gemischt sein.49
5.3.2. Zum anderen wird die Literatur der Sorben zunehmend zweisprachig.
Während es für sorbische Schriftsteller bis zum zweiten Weltkrieg Ehrensache
war, literarische Werke nur sorbisch zu schreiben, hat sich das seither
gewandelt. Pionier war hier Jurij Brezan, der schon in den fünfziger Jahren
auch deutsch schrieb, und fortgesetzt wurde diese Entwicklung unter anderen
von Roza Domascyna und Kito Lorenc.50 Dabei gibt es unterschiedliche
Varianten der Zweisprachigkeit der Literatur. Im ersten Fall ist ein bestimmter
Text entweder deutsch oder sorbisch geschrieben (was eine spätere Übersetzung
in die jeweils andere Sprache nicht ausschließt): dieses Vorgehen findet sich
etwa bei Brezan. Die zweite Möglichkeit liegt dann vor, wenn Texte gleichsam
doppelt deutsch und sorbisch entstehen, entweder in echter Parallelität oder als
Autorübersetzung: Beispiele dafür gibt es im Schaffen von Domascyna. Und
schließlich gibt es als letzte Entwicklung sprachlich gemischte Texte, in denen
Sorbisch und Deutsch durcheinander gehen: diese neueste Form nutzt v.a.
Lorenc.51
5.3.3. Schließlich findet sich die Mischung besonders ausgeprägt in der
materiellen Kultur und im Brauchtum. Auch hier kennt das niedersorbische
Gebiet ausgeprägtere Formen als das obersorbische. So werden die Trachten
vielfach als regionale und nicht als ethnische Besonderheit verstanden
(„Spreewaldtracht“ statt „wendische Tracht“). Ähnliches gilt, wie erwähnt, für
die Fastnachts- und Emtebräuche. Hier ist interessanterweise die Mischung auf
umgekehrtem Wege erfolgt: durch die Forderung der Stiftung für das sorbische
Volk, daß bei den von ihr geförderten Veranstaltungen auch die sorbische
Sprache zu verwenden sei, ist das Sorbische sekundär wieder verstärkt ins
Brauchtum eingeführt worden.
5.3.4. Insgesamt führen diese Erscheinungen zu einem unverkrampfteren
Umgang mit dem jeweils anderen. Die ursprünglich doch recht deutliche
Abgrenzung, die z.T. von beiden Seiten bewußt verstärkt wurde, verliert ihren
Ausschließlichkeitsanspruch. Die Tatsache, daß es Mischformen gibt, muß nicht
mehr geleugnet oder verdrängt werden. Die Mischung selbst ist weniger
49 Der Begriff der Semikommunikation wurde ursprünglich von Haugen für Formen der
mehrsprachigen Kommunikation im skandinavischen Raum entwickelt (vgl. Haugen
1966).
511 Die Entwicklung ist skizziert bei Barker 1993.
51 Vgl. dazu Koschmal 1993a, der allerdings eine andere Systematik vorschlägt.
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