einmal monatlich stattfindenden sorbischen Gottesdienste in wechselnden
Kirchen halten diesen Bezug aufrecht.
4.3. Um so bemerkenswerter ist es, daß die Sprache in diesem Zusammenhang
an Bedeutung gewinnt, und zwar gerade aus der Innenperspektive heraus.40
Man sieht geradezu eine Verabsolutierung des Sprachlichen. So sind die
Bestrebungen vieler sorbischer Organisationen darauf gerichtet, Bestehendes
auf diesem Gebiet zu erhalten und Sprachliches in jeder Hinsicht zu fördern.
Die sprachliche Situation wird wissenschaftlich sorgfältig analysiert, und darauf
aufbauend werden Förderprogramme entwickelt. Es gibt ein breites Spektrum
von Sprachlehrangeboten für alle Stufen der Sprachbeherrschung. Des weiteren
wird versucht, die Sprache in die Brauchtumspflege einzubinden.4! Und ein
ganz deutlicher Hinweis auf die Wichtigkeit, die dem Sprachlichen zugemessen
wird, ist die Einrichtung von Revitalisierungsprogrammen. Dabei werden
nicht-sorbischsprachige Kinder nach der Immersionsmethode zum Sorbischen
hingeführt.42 Dies geschieht gegenwärtig in sogenannten WITAJ-Kindergärten
(in Anlehnung an das bretonische DIWAN-Modell),43 an die sich später
Grundschulen mit sorbischer Unterrichtssprache anschließen sollen.
4.4. Da die Sprache für das Sorbisch-Sein offenbar von zentraler Bedeutung
ist, scheint es auch aus diesem Grund sinnvoll, das Problem der Mischung
anhand der Sprache und anhand sprachlich ausgedrückter Kultur zu untersuchen.
Dazu kommt der bereits erwähnte Vorteil, daß Sprache als Untersuchungsgegenstand
gut handhabbar ist; das gilt gerade auch für das sorbischdeutsche
Umfeld. Und schließlich sind im Falle des Sorbischen die Voraussetzung
für eine mögliche Mischung bei der gesamten sprachtragenden Bevölkerung
gegeben, da man (abgesehen von Kleinkindern im Kerngebiet)
durchgehend Zweisprachigkeit voraussetzen kann.
5. Wo Sprachen in Berührung treten, ergibt sich eine gegenseitige Beeinflussung.
Bei Zweisprachigkeit einzelner in sonst einsprachigen Gruppen zeigen
sich kaum Rückwirkungen auf den Sprachgebrauch der Umgebung. Bei
40 Auch der Bericht der Strukturkommission Sorbische Kulturentwicklung mißt der Sprache
eine zentrale Bedeutung bei, vgl. Üemokozeva 1994, besonders 105-121. In der Zusammenfassung
wird ausdrücklich gesagt: „Kulturförderung beginnt mit Sprachförderung.“
(S. 22; Hervorhebung im Original).
41 So ist die finanzielle Förderung von Fastnachts- und Emtebräuchen durch die Zalozba za
serbski lud / Stiftung für das sorbische Volk unter anderem an die Bedingung geknüpft,
daß zumindest eine Ansprache auf sorbisch gehalten werden muß.
42 Die Immersionsmethode wird heute häufig bei bedrohten Sprachen angewendet. Übersichten
über verschiedene Modelle geben Oudin o.J. und Genesee 1996.
43 Vgl. dazu SST 1997 und DIWAN 1984. Verläßliche Angaben zum Erfolg des WITAJ-Modells
liegen nicht vor.
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