zweigeteilt,27 und zwar in eine nördliche (Niederlausitz mit Chosebuz/Cottbus
als Zentrum) und eine südliche Hälfte (Oberlausitz mit Budysin/Bautzen).22 28 29 In
der nördlichen und in der südlichen Hälfte hat sich im Laufe der Zeit je eine
eigene Schriftsprache entwickelt, die im 19. und 20. Jahrhundert zu Standardsprachen
ausgebaut wurden, dem Nieder- bzw. dem Obersorbischen.29
Diese schriftsprachliche Gliederung hat auf das sprachliche Selbstverständnis
zurückgewirkt, so daß die sprachtragende Bevölkerung selbst zwischen
Obersorbisch und Niedersorbisch (bzw. Wendisch)30 unterscheidet.
3.1.2. Zwischen Ober- und Niedersorbisch und der Einstellung und dem
Verhalten der sprachtragenden Bevölkerung gegenüber dem Sorbischen
bestehen deutliche Unterschiede; man kann sogar von einem eigentlichen Gefälle
sprechen. Das Obersorbische ist heute (im Gegensatz zu früher) quantitativ
stärker und auch qualitativ besser erhalten als das Niedersorbische (die
muttersprachliche Weitergabe ist gegenwärtig nur im Obersorbischen ge¬22
Eine gesonderte Steilung nimmt das Gebiet um Muiakow/Muskau und Slepo/Schleife
ein, das gelegentlich als drittes Zentrum gesehen wird (vgl. dazu Söerba 1915).
28 Es ist in der Forschung umstritten, ob hier ein ursprüngliches Kontinuum vorliegt, das
sich im Laufe der Zeit aufgrund außersprachlicher Einflüsse (räumliche Beschaffenheit,
politische und kirchliche Grenzen) unterschiedlich entwickelte, oder ob es sich ursprünglich
um zwei sprachlich getrennte Gebiete handelte, die durch Ausdehnung in der
Übergangszone zusammentrafen und sich gegenseitig sprachlich anglichen. Beides würde
die Isoglossen-Bündelung erklären. Vgl. dazu Lötzsch 1963 und 1965 und Schuster-Sewc
1959.
29 Beim Obersorbischen gab es zunächst zwei konfessionelle Varianten, die aber im 19.
Jahrhundert zusammengeführt wurden.
30 Die doppelte Nomenklatur im Falle des Niedersorbisch/Wendischen stützt sich nur
indirekt auf die amtliche Sprachregelung in Brandenburg, die konsequent die Doppelbezeichnungen
„Sorben (Wenden)“ bzw. „sorbisch (wendisch)“ verwendet, für die
Benennung der Sprache aber nur „(nieder)sorbisch“ gebraucht (vgl. das Gesetz zur
Ausgestaltung der Rechte der Sorben (Wenden) im Land Brandenburg vom 7. Juli 1994).
Der öffentliche Sprachgebrauch derjenigen, die sich um „political correctness“ bemühen
(müssen), tendiert heute zur Bezeichnung „niedersorbisch/wendisch“ auch für die
Sprache. Die sprachtragende Bevölkerung in den Dörfern scheint eher „wendisch“ zu
bevorzugen und zeigt zum Teil eine deutliche Abneigung gegen die Bezeichnung
„sorbisch“. Dies ist einerseits eine Reaktion auf die zu DDR-Zeiten offiziell verordnete
Nomenklatur, anderseits Ausdruck einer Abgrenzung gegenüber dem als übermächtig
empfundenen obersorbischen Einfluß. Obwohl „sorbisch“ wie „wendisch“ das gleiche
bezeichnen, sind die Konnotationen sehr unterschiedlich. Es gibt sogar Versuche, den
beiden Bezeichnungen unterschiedliche Bedeutungen zuzuordnen: danach wäre „Wendisch“
die ursprüngliche, dörfliche Sprache, wie sie von den Muttersprachlern verwendet
wird, und „Sorbisch“ die „künstliche“ Sprache, die zu DDR-Zeiten gefördert wurde und
heute noch vielfach bei Nicht-Muttersprachlern im Gebrauch ist.
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