Verwendung des Deutschen (nicht der Volkssprache!) bewußt förderte. Während
in der vorreformatorischen Kirche Latein die „Amtssprache“ war, im
Verkehr mit dem Kirchenvolk aber je nach Notwendigkeit Deutsch oder
Sorbisch verwendet wurde, erlangte nun Deutsch die Stellung des Lateinischen,
und Sorbisch war gegenüber dem Deutschen im Nachteil. Diese Situation
wurde noch durch die landeskirchliche Organisation verschärft: der Grundsatz
„cuius regio, eius religio“ wurde zum Teil erweitert zu „cuius regio, eius
lingua“. Lediglich in den Gebieten, wo die katholische und die reformierte
Kirche nebeneinander bestanden, d.h. in der Oberlausitz, wurde eine gewisse
sprachliche Toleranz geübt, „damit die wendische Untertanen nicht in unchristlichen
Aberglauben und Catholizismus zurückfallen“.24
2.3. Während im 16. Jahrhundert das slavische Kontinuum zumindest noch in
der Form Bestand hatte, daß die Verbindung vom Sorbischen zum Polnischen
nicht unterbrochen war, kam es im 17./18. Jahrhundert endgültig zur Insularisierung
des Sorbischen. Die jenseits der Oder und der Neiße gelegenen
Gebiete wurden fast vollständig eingedeutscht. Gleichzeitig wurde das Sprachgebiet
von Norden und Westen her weiter eingeengt. Dabei spielten insbesondere
in der Niederlausitz sprachenpolitische Maßnahmen eine erhebliche
Rolle.
2.4. Im 19. und 20. Jahrhundert beschleunigte sich die Schrumpfung des
Sprachgebiets erneut. Neben den bisherigen Faktoren wirkten nun weitere: der
Aufbau einer stärker zentralisierten staatlichen Organisation (in Preußen stärker
als in Sachsen), die Einführung der allgemeinen Schul- und Wehrpflicht, die
Erschließung der Lausitz für Verkehr und neue Wirtschaftszweige (Industrie,
Braunkohlegewinnung) sowie zunehmend gegen das Sorbische gerichtete
sprachenpolitische Maßnahmen im Kaiserreich und insbesondere während der
Zeit des Nationalsozialismus. Dies führte zunächst zu einer Einschnürung des
Sprachgebiets zwischen Chosebuz/Cottbus und Grodk/Spremberg und schließlich
zu einem Zerfall des Sprachgebiets in mehrere Inseln. Wenn man für die
Bestimmung des Sprachgebiets das Kriterium der Umgangssprache in der
Gemeinschaft (nicht nur in der Familie) zugrundelegt, so besteht es heute sogar
nur noch aus einem kleinen Gebiet östlich von Kamjenc/Kamenz, der
katholischen Oberlausitz; diese Region wird auch als das sorbische Kemgebiet
bezeichnet.
24 M£t5k 1981,40. Ähnliches gilt für den Kreis Cottbus, weil dort das Deutsche nur ganz
schwach vertreten war und deutschsprachiger Gottesdienst vom Kirchenvolk nicht
verstanden worden wäre.
257