revanchistische Kräfte einen festen Platz innerhalb der deutschsprachigen
Sammelpartei, der Südtiroler Volkspartei.
Seit 1989 wurden Spannungen jedoch deutlich abgebaut, vor allem dank des
pragmatischen Kurses von Landeshauptmann Luis Durnwalder, den auch viele
Italiener als ihren „presidente“ anerkennen.
Die Südtiroler Landesregierung setzt unter Dumwalders Initiative entschieden
auf eine Aufwertung Bozens zur Landeshauptstadt. Der Aufwertungsprozeß
vollzieht sich weitgehend im Einklang mit der Gemeindeverwaltung und äußert
sich in einer Politik der Symbole und der druckvollen, oft atemlosen
Modernisierung. Wichtige Marken der neuen, transalpin ausstrahlenden Rolle
Bozens wurden jüngst im ökonomischen Bereich durch die Eröffnung der
„Neuen Messe Bozen“ und des Bozner Flughafens (1998/99) gesetzt, im
kulturellen Sektor durch die Gründung der Freien Universität Bozen (1997),
der Schaffung einer neuen „Museumsmeile“ mit dem „Mann im Eis“ als
zentralem Anziehungspunkt (1998) sowie zuletzt mit dem neuen Stadttheater
(1999).
Diese Maßnahmen sind begleitet von einem fieberhaften Bauboom, der zwar
eine erhebliche Menge an Wohnungen, Parkhäusern, Straßen, Geschäfts- und
Betriebsbauten ausstößt, aber den Bürgern und Bewohnern der Stadt wenige
identitätsstiftende und partizipatorische Impulse liefert.60 Die integrative
Wirkung dieses „Berlin-Effekts“ im kleinen Maßstab ist oft geringer als die
Verunsicherung, die er unter vielen Bürgern auslöst. Wichtige Anliegen wie ein
adäquater Umgang mit der wachsenden Immigration von Nicht-EU-Bürgem,
die Wünsche nach mehr Lebens- und Umweltqualität finden in der aktuellen
„Gründerzeit“ Bozens noch zuwenig Gehör.61
Auch bestehen in Südtirol, zumal in Bozen, bis heute zwei „nebeneinander und
auch gegeneinander existierende Parallelgesellschaften“,62 * die sich nach wie
vor in getrennten Bereichen einrichten (im getrennten Schulwesen, in getrennten
Vereinen, in getrennten Veranstaltungen, in getrennten Freizeitaktivitäten).
In diesen getrennten und geteilten Subgesellschaften wird die Entfaltung
sprachgruppenübergreifender Aktivitäten bereits dadurch erschwert, daß sie von
60 Plörer, Franz: „„Es herrscht das Chaos““, in: FF - Die Südtiroler Wochenzeitung, 29. 7.
1999, S. 22-25.
6^ Hierzu der eindringliche Kommentar von Dughera, Ivan: „II disagio dei quartieri. Un dato
incontestabile“, in: Alto Adige, 3. 10. 1999, S. 1 und 8.
62 Langer, Alexander: Aufsätze zu Südtirol- Scritti sul Sudtirolo 1978-1995, hg. von Baur,
Siegfried/Dello Sbarba, Riccardo, Meran 1996, S.171.
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