ein Werk von 56 Groß- und Femhändlem“,4 die vorzugsweise im Handel nach
Ösel und Rußland bis Nowgorod tätig waren, aber auch weit nach Westen bis
Schweden, Rügen, Greifswald, Rostock, Wismar, Lübeck, Hamburg, Holstein,
auch nach Norwegen, Dänemark, Flandern und gar nach England fuhren.5 Die
seitherige Kaufmannsstadt erreichte bis 1300 mit etwa 3.000 Einwohnern eine
- gemessen an den Relationen der Zeit - beachtliche Größe: ca. zwei Drittel
der Bewohner waren Deutsche, etwa ein Drittel Liven, Letten und Russen.6 Im
Jahre 1255 wurde Riga zum Erzbischofssitz erhoben, 1282 trat die Stadt der
Hanse bei - also recht früh.
Bischof Albert, der Stadtgründer, stammte aus der bremischen Ministerialenfamilie
de Bekeshovede (Buxhövden, Bexhövede),7 war zuvor Domherr
und Leiter der Domschule in Bremen gewesen, seit März 1199 Bischof von
Livland. Auch die Mehrzahl der Kaufleute aus der Gründungsphase kam aus
Norddeutschland. Ermittelt wurden als Herkunftsorte vorrangig Soest, Lübeck
und Wisby, ferner Köln, Münster, Dortmund, Deventer, Lippstadt, Goslar,
Bielefeld, Niedermarsberg-Horehusen, Hamburg, Osnabrück, Hildesheim,
Höxter und Ahlen.8 Da Bischof Albert eine Territorialherrschaft anstrebte,
wobei er sich zusätzlich auf den Zisterziensermönch Theoderich stützen
konnte, der 1202 den Schwertbrüderorden gründete und dem Bischof unterstellte,
andererseits aber auch die Kaufleute Besitz und politischen Einfluß im
Umkreis der Stadt suchten und behaupteten, kam es zu Spannungen, die
letztlich zum Konflikt führten, wer denn in Riga die Stadtvogtei (Stadtherrschaft)
auszuüben habe. Ein „versöhnlich klingender Spruch“9 entschied
schließlich 1225, daß die Bürger sich ihren Stadtrichter, der in allen weltlichen
Sachen zuständig sei, frei wählen könnten; sie müßten ihn aber dem Bischof
vorstellen und dieser ihn bestätigen. Über diese Entscheidung hat es in der
Forschung manche Kontroverse gegeben, doch scheint es mittlerweile
eindeutig zu sein, daß die in der Stadt dauerhaft ansässigen Kaufleute die
Vogtei in die Hand bekamen, der Bischof mit seinem geistlichen Gefolge
andererseits vom Stadtgericht ausgenommen wurde.
Nach der knappen Skizzierung der Anfänge Rigas soll mit einer Betrachtung
unterschiedlicher Aspekte versucht werden, den Schnittpunkt verschiedener
Kulturen in dieser Stadt zu erläutern.
*
4 Ebd.
5 Ebd. S. 33f,; vgl. ebd. die anschauliche Karte 4: „Rigas Handel im 13. Jahrhundert“.
6 Ebd. S. 110.
7 Manfred Hellmann: .Albert I, Bischof von Riga“, in: Lex MA 1 (1978) Sp. 285f.
8 Benninghoven S. 168 und die Einzelnachweise S. 165ff.
9 Ebd. S. 37, auch im folgenden.
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