Full text : Grenzkultur - Mischkultur?

pulte.67  Dies  dürfte  ein  Hinweis  auf  die  Übernahme  aus  dem  Abendland  sein.68
Seit  der  Mitte  des  13.  Jahrhunderts  setzten  die  mamlukischen  Sultane  Baibars,
Qaläwün  und  al-Asraf  Halll  solche  Geschütze  ein,  um  die  letzten  Bastionen  der
Christen  im  Heiligen  Land  in  die  Knie  zu  zwingen.69
Zuletzt  seien  noch  zwei  Beispiele  für  die  militärtechnische  Anpassung  bzw.  bereitwillige
  Übernahme  gegnerischer  Waffensysteme  genannt.  Im  späten  13.
Jahrhundert  gelang  der  abendländischen  Christenheit  schließlich  doch  noch  der
Einsatz  von  Griechischem  Feuer70  oder,  besser  gesagt,  von  hochbrennbarem
Material,  das  man  wie  dieses  zumeist  aus  bronzenen  Rohren  verschoß.  Das
Wissen  darum  in  Verbindung  mit  dem  Glockenguß71  führte  1326  in  Florenz
nach  Erfindung  des  Pulvers  zur  Konstruktion  der  ersten  Kanonen,  bei  denen  anders
  als  beim  sogenannten  Griechischen  Feuer  der  Prozeß  der  Verbrennung
nicht  mehr  als  eigentliche  Waffe  verwendet  wurde,  sondern  im  Gegensatz  dazu
nur  noch  als  Treibmittel  für  das  Geschoß.  40  Jahre  später,  nämlich  1366,  bauten
dann  auch  die  Mamluken  ihre  eigenen  Kanonen.72
IV.
Wenn  wir  hier  von  Unterschieden  und  Gemeinsamkeiten  in  der  Kriegführung
bei  Muslimen  und  Kreuzfahrern  sprechen,  soll  ein  weiterer  Gesichtspunkt  -
auch  wenn  er  im  engeren  Sinn  nichts  mit  Militärtechnik  und  dem  eigentlichen
Kampfgeschehen  zu  tun  hat  -  nicht  unerwähnt  bleiben,  nämlich  demjenigen,
den  Frauen  im  Heer  bzw.  in  dessen  Umfeld  spielten.

67  Vgl.  Hill  (Anm.  59),  S.  104.
68  Thorau,  Peter:  The  Lion  of  Egypt.  Sultan  Baybars  I  and  the  Near  East  in  the  Thirteenth
Century,  London-New  York  1992,  S.  160.
69  Huuri  (Anm.  59),  S.  173;  Hill  (Anm.  59),  S.  112;  Thorau,  The  Lion  of  Egypt  (Anm.  68),
S.  160.
70  So  zumindest  -  unter  Verkennung  des  Umstandes,  daß  offenbar  nicht  alles  stricte  sensu
„Griechisches  Feuer“  war,  was  die  Franken  als  solches  bezeichneten  (siehe  dazu  oben,
Anm.  53)  -  die  bis  heute  gängige  Forschungsmeinung:  Vgl.  etwa  Partington  (Anm.  37),
S.  27;  White  Jr.,  Lynn:  „The  Crusades  and  the  technological  thrust  of  the  West“,  in:  V.
J.  Parry  und  M.  E.  Yapp  (Hg.):  War,  Technology  and  Society  in  the  Middle  East,
London  1975,  S.  97-112,  hier  S.  103,  sowie  Bradbury,  Jim:  „Greek  Fire  in  the  West“,
in:  History  Today,  1979,  S.  326-331,  und  Päszthory  (Anm.  37),  S.  34,  mit  ungenauen
Quellenangaben.
7  1  Dies  betont  Howard,  Michael:  Der  Krieg  in  der  europäischen  Geschichte,  München
1981,  S.  25.
72  Ayalon:  Gunpowder  and  Firearms  (Anm.  50),  S.  3f.;  White  Jr.:  „The  Crusades“  (Anm.
70),  S.  103.

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