Feuer im besonderen. Ebenso diente das Wort naft zur Bezeichnung von Rohöl,
späterhin von raffiniertem Öl und letztlich sogar von Salpeter.50 Auf der
Grundlage dieser Rohstoffe und ihrer Verbindungen stellten die Araber dann die
verschiedensten Arten von pyrotechnischen Waffen her.51 Gemäß ihren
Ingredienzen kamen diese als „Flammenwerfer“, als auf Pfeilen montierte
„Granaten“ oder als von Katapulten verschossene „Bomben“ zum Einsatz.52
Die Kreuzfahrer machten keinen Unterschied zwischen den verschiedenen pyrotechnischen
Waffen ihrer muslimischen Gegner, sondern subsumierten sie alle
unter dem erst von ihnen geprägten Begriff des „Griechischen Feuers“ - dieser
viel zu wenig beachtete Umstand erschwert die Interpretation historischer
Quellen und führte deshalb in der Geschichtsschreibung bis heute zu erheblicher
Unsicherheit.53 Des weiteren scheinen die Kreuzfahrer auch vergleichsweise
recht simple Varianten von Brandwaffen als Griechisches Feuer bezeichnet zu
haben. Dies wäre zumindest eine plausible Erklärung dafür, weshalb in der
Estoire de la Guerre Sainte und im Itinerarium peregrinorum anläßlich der
Beschreibung des oben erwähnten Seekampfes einmal die Rede davon ist, daß
sich beide Seiten mit Griechischem Feuer bewarfen.54
Einer Anwendung von Griechischem Feuer „höherer Qualität“ - resp. in den
Mixturen, wie sie im östlichen Mittelmeerraum üblich waren - durch die
Kreuzfahrer steht nicht allein die Fassungslosigkeit entgegen, mit der Autoren
wie Ambroise und der Redaktor des Itinerarium seinen Einsatz durch die
Muslime immer wieder kommentieren, sondern auch ein Vorfall aus dem
Spätsommer 1190. Ende August oder Anfang September jenen Jahres zogen
fränkische Fischer vor Akkon einen Schwimmer aus dem Wasser, der in einem
Beutel aus Fischotterfell die Substanz für das Griechische Feuer in die belagerte
Stadt schmuggeln wollte.55 Obwohl die Kreuzfahrer bei dieser Gelegenheit in
den Besitz der gefürchteten Substanz kamen, ist im weiteren Verlauf der
Ereignisse, die Ambroise und das Itinerarium peregrinorum so detailliert schildern,
niemals die Rede davon, daß die Kreuzfahrer von ihrer Beute Gebrauch
gemacht hätten. Dies aber läßt den Schluß zu, daß sie - von der Herstellung
einmal ganz abgesehen - mit den Mixturen, die im Orient zum Einsatz kamen
und für das Entsetzen der Kreuzfahrer sorgten, überhaupt nicht umzugehen wu߬50
Ayalon, David: Gunpowder and Firearms in the Mamluk Kingdom, London 1956, S.
25; Christides (Anm. 37), S. 9f.; Vasojevic, Andreas und Nicolaüs: „NA&QA“, in:
Philologus 128 (1984), S. 208-229.
51 Christides (Anm. 37), S. lOff.
52 Abbildungen dazu bei Christides (Anm. 37), S. 13 und 20ff.
53 Vgl. Päszthory (Anm. 37), S. 27.
54 Ambroise: L' Estoire (Anm. 11), V 3315-3319; Itinerarium peregrinorum (Anm. 11), B
1 K 34, S. 81.
55 Itinerarium peregrinorum (Anm. 11), B 1 K 55, S. 105f.
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