So viele verschiedene Verhängnisse erwarten den Krieger - entweder er wird
lebendig verbrannt oder er ertrinkt in den Fluten oder er stirbt an seinen
Wunden!“44
Ebenso anschaulich ist die Beobachtung des Sire de Joinville. Ihm zufolge sah
das Griechische Feuer, wenn es auf die eigenen Linien zuflog, aus wie ein
großes Faß. Der Feuerschweif, den es hinter sich herzog, sei so lang wie eine
große Lanze und mache einen Lärm wie der Donner aus den Wolken. „Es war,
als flöge ein Drache durch die Luft. Die Helligkeit, die diese feurige Masse verbreitete,
war dergestalt, daß man bei Nacht meinte, es sei hellichter Tag.“45
Aufschlußreich bei den beiden oben wiedergegebenen Schilderungen ist zudem,
daß ihre Autoren mit dem gemeinsamen Terminus technicus „Griechisches
Feuer“ zwei doch recht unterschiedliche pyrotechnische Waffentypen beschreiben.
Dieser Sachverhalt wird auch durch byzantinische bzw. arabische Quellen
bestätigt. So spricht etwa Murdä b. ‘AH at-Tarsüsi in seinem für Saladin verfaßten
militärischen Handbuch davon, daß das Griechische Feuer (naft) lautlos
ohne Rauchentwicklung auf dem Wasser schwimme und die Schiffe verbrenne.46
In Kaiser Leons VI. (886-912) Naumachica hingegen ist zu lesen, daß
dies künstlich hergestellte Feuer von Donner und Rauch begleitet werde,47 was
sich in etwa mit der Beobachtung Joinvilles deckt.
Auch wenn hier nicht der Raum ist, näher auf die mit dem Griechischen Feuer
verbundenen technischen und philologischen Fragen einzugehen, so seien dennoch
im Interesse des weiteren Verständnisses einige erklärende Bemerkungen
gestattet. Zunächst einmal sei daran erinnert, daß die Byzantiner den Terminus
„Griechisches Feuer“ nicht kannten, sondern diese Waffe als flüssiges Feuer
(hygrön pyr) oder Seefeuer (thalassiön pyr) bzw. medisches Feuer (medikön
pyr) bezeichneten.48 Dabei handelte es sich um Rohöl bzw. destilliertes Öl, das
zunächst unter großem Druck erhitzt wurde. Durch das Öffnen eines Ventils trat
die Flüssigkeit dann aus und wurde durch eine bereitgehaltene Flamme entzündet.49
Der ältere griechische Ausdruck naphtha ging als naft in die arabische Sprache
ein und bezeichnet dort, wie im Griechischen zunächst ganz allgemein, die verschiedenen
Arten von Bitumen im Nahen Osten und schließlich das Griechische
44 Itinerarium peregrinorum (Anm. 11), B 1 K 34, S. 81.
45 Joinville (Anm. 35), S. 136.
46 Murdâ b. ‘AII at-Tarsüsi, in: Claude Cahen: „Un traité d’ armurerie composé pour
Saladin“, in: Bulletin d’Études Orientales 12 (1947-48), S. 103-163.
47 Leon VI., Naumachica 1,59, nach: Christides (Anm. 37), S. 11.
48 Christides (Anm. 37), S. 8f.
49 Haldon und Byme (Anm. 37), S. 95.
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