wurden, was angesichts der fast steten numerischen Unterlegenheit der
Kreuzfahrer doppelt schwer wog.
Davon abgesehen konnten sie aber, vor allem im Verbund mit anderen Waffen
und Anstrengungen, wie etwa dem gleichzeitigen Einsatz von Katapulten,
Rammböcken und Unterminierungsarbeiten, unter „normalen“ Umständen eine
gefährliche Waffe sein. Daran läßt auch die Schilderung des Ambroise keinen
Zweifel. Nur, es herrschten eben im Belagerungs- und Seekrieg gegen die
Muslime keine „normalen“ Verhältnisse, wie die abendländischen Ritter sie aus
Europa kannten. Und dies deshalb, weil die Muslime ebenso wie die Byzantiner
- daher rührt ja der Name - über das sogenannte Griechische Feuer verfügten.37
Ihm hatten die Kreuzfahrer nichts entgegenzusetzen. Kam es zum Einsatz, waren
sein erstes Opfer Schiffe und Belagerungstürme, die aufgrund ihrer Größe
und Schwerfälligkeit ein leichtes Ziel boten. Von daher gesehen waren die
Belagerungstürme bei all ihrer beachtlichen technischen Vollkommenheit am
Ende des 12. Jahrhunderts eine veraltete Waffe.
Vielleicht lesen wir deshalb bei Ambroise und im Itinerarium peregrinorum
auch nur einmal davon - und auch dies mehr beiläufig -, daß der militärisch so
versierte Richard Löwenherz nach seinem Eintreffen vor Akkon einen
Belagerungsturm baute.38 Er stützte sich offenbar vor allem auf Geschütze, die
aus größerer Entfernung und damit auch in größerer Sicherheit ihre Steinkugeln
mit verheerender Wirkung verschossen und denen damit auch die Zukunft gehörte.
37 Einen kurzen Überblick gibt Gabriel, Erich: „Griechisches Feuer“, in: Lexikon des
Mittelalters 4, 1989, Sp. 171 lf. Die ausführlichste Studie ist nach wie vor Partington, J.
R. : A History of Greek Fire and Gunpowder, Cambridge 1960 (ND Baltimore 1999).
Die wichtigsten neueren Arbeiten zum Thema sind Haldon, J. und Byrne, M.: „A
possible solution to the problem of Greek Fire“, in: Byzantinische Zeitschrift 70 (1977),
S. 90-99, und Christides, Vasilios: „New light on navigation and naval warfare in the
Eastern Mediterranean, the Red Sea and the Indian Ocean (6^ -14^ centuries A.D.)“,
in: Nubica 3 (1994), S. 5-25. Die Studie von Pâszthory, Emmerich: „Über das
„Griechische Feuer“. Die Analyse eines spätantiken Waffensystems“, in: Antike Welt
17,2 (1986), S. 27-37, ist zu beachten, doch krankt sie an mangelnder sprachlicher
Kompetenz im Umgang mit den Primärquellen.
38 Ambroise: L' Estoire (Anm. 11), V 4781ff.; Itinerarium peregrinorum (Anm. 11), B 3
K 7, S. 219. Zu Richards militärischen Fähigkeiten vgl. Prestwich, J. O.: „Richard Cœur
de Lion: Rex Bellicosus“, in: Accademia Nazionale dei Lincei: Problemi attuali di
scienza e di cultura 253 (1981), S. 3-15, und Gillingham, J. B.: „Richard I and the
Science of War in the Middle Ages“, in: J. B. Gillingham and J. C. Holt (Hg.): War and
Government in the Middle Ages: Essays in Honour of J. O. Prestwich, Cambridge 1984,
S. 78-91.
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