sogenannten Fliegenturms treiben und damit den Schiffen einen festen Halt geben
konnten. Um dieser Bedrohung zu begegnen, griffen muslimische Galeeren
die der Christen an und verwickelten sie bei deren Versuch, die Stadtmauern zu
stürmen, in ein Seegefecht. Nach heftigen, stundenlangen Kämpfen setzten die
Muslime den christlichen Quellen zufolge wieder Griechisches Feuer ein, das
nicht nur den gewaltigen Belagerungsturm, sondern auch weitere Galeeren und
die darauf befindlichen Kriegsmaschinen vernichtete. Die Kreuzfahrer sahen
abermals all ihre Anstrengungen zunichte gemacht.32
Die oben geschilderten Vorgänge sind in mehrfacher Weise interessant. Die hier
zum Einsatz gekommenen Belagerungstürme zeugen von der beachtlichen
Fähigkeit ihrer Konstrukteure und dürften damals die modernsten und besten ihrer
Art gewesen sein.33 Ein Nachteil war allerdings der enorme Materialverbrauch;
man benötigte zu ihrem Bau sehr viel gutes und abgelagertes, sprich
hartes Holz. Da es in Palästina und Syrien rar war - aus diesem Grund
verwandten Muslime wahrscheinlich kaum diese gigantischen Türme mußten
es die Kreuzfahrer zumeist auf ihren Schiffen aus Europa mitführen,34 was es
sehr teuer machte.35 Ein weiterer Nachteil war, daß es wahrscheinlich vieler
Menschen bedurfte, um diese gewaltigen Türme fortzubewegen und sie nur
dann effizient eingesetzt werden konnten, wenn sie sehr stark bemannt waren.36
Das heißt, daß bei der Zerstörung eines solchen Turms sehr viele Krieger getötet
32 Ambroise: L' Estoire (Anm. 11), V 3771-3822, und Itinerarium peregrinorum (Anm.
11), B 1 K 58, S. 109ff. Bahä’ ad-Dln b. Saddäd (Anm. 31), S. 138f., und ‘Imäd ad-ETin
(Anm. 31), S. 289f. (trad. Massé, S. 253ff.), bestätigen den heftigen Kampf um den
Fliegenturm, sprechen aber davon, daß die christlichen Schiffe, als sich der Wind
drehte, das Opfer ihres eigenen Branders geworden wären, den sie zunächst auf die
muslimische Flotte zugetrieben hätten.
33 Zustimmend Rogers, R.: Latin Siege Warfare in the Twelfth Century, Oxford 1992, S.
233.
34 Röhricht, Reinhold: Geschichte des Königreichs Jerusalem (1100-1291), Innsbruck
1898 (ND Amsterdam 1966), S. 516.
35 Joinville: L’ Histoire de Saint Louis, hg. von M. Natalis de Wailly, Paris 1867, S. 140,
berichtet einmal davon, daß allein eine Art hölzerne Überdachung - shat genannt - für
die in die Erde getriebenen Verschanzungen, also eine vergleichsweise einfache
Konstruktion, 10000 Livres gekostet habe. Wie hoch dieser Preis war, ist daraus zu
erschließen, daß Joinville an anderer Stelle davon spricht, der Unterhalt für einen seiner
Ritter belaufe sich für etwa ein Dreivierteljahr auf 400 Livres, und ein Pferd nebst einer
Rüstung koste ihn 800 Livres (S. 292). Nach Bahä’ ad-Din b. Saddäd (Anm. 31), S.
134, habe der Bau eines Katapults, das Heinrich von der Champagne vor Akkon bauen
ließ und das die Muslime am 17. September 1190 verbrannten, 1500 Goldstücke resp.
Dinare gekostet.
36 Bahä’ ad-Dln b. Saddäd (Anm. 31), S. 120, spricht von einer Besatzung von 500 Mann.
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