Full text : Grenzkultur - Mischkultur?

Belagerung  von  Akkon  1190  zum  Einsatz  kam.  Dort  heißt  es,  daß  die  Führer  des
Kreuzfahrerheeres  übereinkamen,  Kriegsmaschinen  zu  bauen,  um  die  Stadt  zu
stürmen.  Dies  sollte  mit  vereinten  Kräften  geschehen,  was  den  Schluß  nahelegt,
daß  man  sich  die  Kosten  teilen  wollte,  was  wiederum  ein  Hinweis  auf  die
Kostspieligkeit  des  Unterfangens  sein  dürfte.  Zu  diesem  Zweck  errichtete  man
aus  abgelagertem  Holz  drei  hohe  fahrbare  Türme,  die  dem  arabischen
Chronisten  Ibn  al-Atlr  zufolge  an  die  30  m  hoch  waren.  Gelagert  habe  man  sie
auf  Rollen,  die  aufgrund  eines  ausgeklügelten  technischen  Systems  leicht  zu
bewegen  waren.  Um  zu  vermeiden,  daß  sie  Feuer  fingen,  umkleidete  man  sie
mit  -  offenbar  feuchten  -  Leintüchern  und  rohen  Schlachthäuten.  Zum  Schutz
vor  steinschleudemden  Ballisten  spannte  man  aus  Tauen  geflochtene  Netze  vor
ihnen  auf.  Der  Turm  überragte  die  Befestigungswerke  der  Stadt.  Ganz  zu  oberst
plazierte  man  die  Bogner  und  Armbrustschützen,  auf  der  mittleren  Ebene  -  also
wohl  in  Höhe  des  Wehrgangs  -  Männer  mit  Knüppeln  und  Piken.  Zusätzlich
brachte  man  Ballisten  in  Stellung,  die  die  Mauern  und  ihre  Verteidiger  mit
Steinen  bestrichen.
Angeblich  wogte  der  Kampf  von  der  Morgen-  bis  zur  Abenddämmerung.31  Er
brachte  dem  christlichen  Heer  aber  nicht  den  gewünschten  Erfolg,  da  die
Muslime  letztendlich  das  gefürchtete  Griechische  Feuer  einsetzten,  das  alle
fränkischen  Kriegsmaschinen  verbrannte.
Um  das  zäh  verteidigte  Akkon  in  die  Knie  zu  zwingen,  hatten  die  Kreuzfahrer
sich  nicht  nur  auf  der  Landseite  verschanzt  und  einen  engen  Belagerungsring  um
die  Stadt  gelegt,  sondern  auch,  um  den  Nachschub  zu  unterbinden,  die
Hafeneinfahrt  mit  Schiffen  versperrt.  Eine  Aufgabe,  die  man  den  Pisanem  als
erfahrenen  und  tüchtigen  Seeleuten  übertragen  hatte.  Diese  beschlossen,  es  nicht
bei  der  Blockade  bewenden  zu  lassen,  sondern  auch  von  der  Seeseite  aktiv  in  die
Kampfhandlungen  einzugreifen.  Zu  diesem  Zweck  gingen  sie  daran,  auch  auf
ihren  Galeeren  Kriegsmaschinen  zu  installieren.  Mit  viel  Sorgfalt  erbauten  sie
auf  einem  ihrer  Schiffe  einen  gewaltigen  Belagerungsturm,  der  sehr  viel  höher
war  als  die  Stadtmauer  und  es  ihnen  ermöglichte,  die  Stadt  mit  Geschossen  aller
Art  unter  Beschuß  zu  nehmen.  Da  Ambroise  davon  spricht,  daß  man  zudem
Felsbrocken  schleuderte,  ist  davon  auszugehen,  daß  die  Pisaner  auch  Katapulte
auf  ihren  Schiffen  hatten.  Inzwischen  hatte  man  die  Galeeren  so  weit  an  das
Ufer  herangerudert,  daß  die  Besatzungen  gewaltige  Anker  in  die  Mauern  des

3  1  Das  Kampfgeschehen  und  den  Bau  der  gewaltigen  Belagerungstürme  bestätigen  die
arabischen  Chronisten  Ibn  al-Afir:  al-Kämil  fi't-ta'rih,  1-12,  Index  (hg.  Beirut  1965),
hier  12,  S.  45;  Bahä’  ad-Din  b.  Saddäd:  Slrat  Saläh  ad-D'in,  hg.  von  Gamäl  ad-Din  aS-Saiyäl,
  Kairo  1962,  S.  120f.,  und  Tmäd  ad-Din  al-Isfahärii:  al-Fath  al-qussi  fi'l-fath  alqudsi,
  hg.  von  Carlo  de  Landberg,  Leiden  1888,  S.  243ff.  und  246ff.  (ders.:  Conquête  de
la  Syrie  et  de  Palestine  par  Saladin,  trad.  Henri  Massé,  Paris  1972,  S.  214ff.  und
217ff.),  die  davon  sprechen,  daß  die  Plattformen  der  Türme  groß  genug  waren,  um
darauf  Ballisten  in  Stellung  zu  bringen.  Zum  Griechischen  Feuer  siehe  unten,  Anm.  37.

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