zahlen erlaubten, waren die Gefallenen viel leichter zu ersetzen als in Europa.
Hinzu kam, daß nicht nur die kleineren Pferde dem Tragen von schwereren
Rüstungen im Wege standen, sondern auch das oft trockenheiße Klima und der
Mangel an Eisenvorkommen.26
Vor diesem Hintergrund sei noch einmal auf die schon kurz genannten
Mamluken hingewiesen. Mit der zunehmenden Verwendung gekaufter
Kriegssklaven im 12. Jahrhundert stieg auch im Orient - so zynisch das klingen
mag - der Wert des einzelnen Menschenlebens; d.h., der Wert eines Kriegers
wurde zu einer real meßbaren Größe. Ihre Rekrutierung erforderte erhebliche finanzielle
Aufwendungen. Kein Wunder also, daß man ihnen eine sorgfältige
militärische Ausbildung angedeihen ließ, um sie auf ihre zukünftige Aufgabe
bestmöglichst vorzubereiten, wie unter anderem die vielfältigen „Kriegshandbücher“
belegen.27 Gleichzeitig ist ebenso verständlich, daß man sie besser zu
schützen versuchte, mit anderen Worten, sie stärker wappnete - wir kennen dies
vom europäisch-adligen Ritter! Gleichzeitig war diese, vor allem im 13.
Jahrhundert zu beobachtende Entwicklung, wie wir gesehen haben, eine
notwendige militärische Maßnahme, um gegen die schwer gepanzerten
abendländischen Ritter im Kampf ,Mann gegen Mann1 überhaupt bestehen zu
können. Erst recht gilt dies, als die türkischen Mamlukengarden in Ägypten in
der Mitte des 13. Jahrhunderts selbst die Macht in die Hände nahmen. Jetzt waren
sie nicht mehr nur - im wahrsten Sinne des Wortes - wertvolle Spezialisten
ihres Fachs, sondern Repräsentanten einer Militäraristokratie, die das Land beherrschte
und aus ihren Reihen den Sultan stellte. Indem die Mamluken aber
auch stärkere Rüstungen trugen, stieg der Bedarf an Eisen. Da - wir haben
schon darauf hingewiesen - der islamische Machtbereich relativ arm an
Eisenvorkommen war, mußte der Bedarf über kostspielige Importe italienischer
Händler gedeckt werden. Dies führte zu teilweise schwerwiegenden finanziellen
Problemen.28
II.
Ambroise29 und dem Redaktor des Itinerarium peregrinorum30 verdanken wir
eine recht eingehende Beschreibung eines Belagerungsturms, wie er bei der
26 Zum Mangel an Eisen im Vorderen Orient vgl. Cahen: „Les Changements“ (Anm. 22),
S. 118.
27 Dazu etwa Ayalon, David: „Notes on the Furûsiyya Exercises and Games in the
Mamlük Sultanate“, in: ders.: The Mamlük Military Society, London 1979, Kapitel II, S.
31-62, sowie Nicolle (Anm, 15), S. 18ff.
28 Cahen, Claude: „Douanes et commerce dans les ports méditerranéens de 1’ Égypte
médiévale“, in: Journal of the Economie and Social History of the Orient 7 (1964), S.
218-314, sowie ders,: „Les Changements“ (Anm. 22), S. 118.
29 Ambroise: L’ Estoire (Anm. 11), V 3395-3432.
Itinerarium peregrinorum (Anm. 11), B 1 K 36, S. 84f.
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