ritten sie - als eine Folge davon - auch kräftigere Pferde.19 Auf der anderen
Seite erkannten die Kreuzfahrer die Notwendigkeit, sich außer auf ihre
Infanterie und schwer gepanzerten Ritterkontingente auch auf beweglichere,
leichter gepanzerte Reiter zu stützen. Diese sogenannten Turkopolen wurden
von ihnen vor allem als berittene Bogenschützen eingesetzt.20 Von ihren muslimischen
Gegnern scheinen die Franken auch leichtere, wattierte bzw. gesteppte
Rüstungen übernommen zu haben, die - zumeist über dem Kettenhemd getragen
- besser vor Pfeilen schützten, indem sie deren Wucht absorbierten.21
Woher aber kamen diese Unterschiede, wie sie vor allem zu Beginn der
Kreuzzüge zutage traten, und wie erklären sie sich? Übereinstimmung besteht in
der Forschung weitgehend darin, daß technische Errungenschaften tiefgreifende
Veränderungen für die gesamte soziale, ökonomische und kulturelle Entwicklung
des Menschen zur Folge haben können.22
Am Beispiel des Steigbügels vertritt diese Auffassung nachdrücklich Lynn
White Jr. In seinem bekannten Buch Medieval Technology and Social Change
führt er aus, daß die Übernahme des Steigbügels durch die Franken im ausgehenden
7. Jahrhundert die Voraussetzung für die Entstehung der merowingischen
und karolingischen Kavallerie gewesen sei. Der Steigbügel habe dem
Reiter erst den notwendigen Halt verschafft, vom Pferderücken herab effizient
zu kämpfen; vor allem habe er ihm die Verwendung der Lanze ermöglicht.
Beides sei aber die Vorbedingung gewesen für die „Unwiderstehlichkeit ihrer
Attacken“ im festgefügten Verband - so Anna Komnena, Der fränkische
Reiterkrieger sei zu einer exklusiven Waffe geworden und so - verkürzt dargestellt
- zur Wurzel von europäischem Rittertum und Adel.23
19 Smith Jr., J. M.: ,,‘Ayn Jälut: Mamluk Success or Mongol Failure?“, in: Harvard
Journal of Asiatic Studies 44 (1984), S. 307-345, hier S. 314-326.
20 Dies bestätigen Usäma b. Munqid: Kitäb al-‘Itibär, ar-Riyäd 1987, S. 72f. (englische
Übersetzung Philipp K. Hitti: An Arab-Syrian Gentleman and Warrior in the Period of
the Crusades. Memoirs of Usäma I bn Munqidh, London 1987 [Erstdruck: Princeton
1929], S. 78f.), und al-Bundäri, Sana al-barq ak-särrü, hg. von R. Sesen, Beirut 1971, S.
174. Zu den Turkopolen siehe ferner Savvides, A. G. C.; „Late Byzantine and Western
Historiographers on Turkish Mercenaries in Greek und Latin Armies: the Turcopoles/
Tourkopouloi“, in: R. Beaton und C. Roueché (Hg.): The Making of Byzantine History.
Studies dedicated to Donald M. Nicol, Aldershot 1993, S. 122-137.
21 Siehe dazu die interessanten Ausführungen bei Nicolle (Anm. 15), S. 16.
22 Cahen, Claude: „Les Changements techniques militaires dans le Proche Orient médiéval
et leur importance historique“, in: V. J. Parry und M. E. Yapp (Hg.): War, Technology
and Society in the Middle East, London 1975, S. 113-124, hier S. 113.
23 White Jr., Lynn: Medieval Technology and Social Change, Oxford 1962, dort S. 1-38
(Kapitel I: Stirrup, Mounted Shock Combat, Feudalism, and Chivalry), Kritisch dazu
bereits Ogilvy, J.D.A.: „The Stirrup and Feudalism“, in: University of Colorado Studies
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