Full text : Grenzkultur - Mischkultur?

Schlachten  entscheidende  Element  im  christlichen  Heer  war  der  zumeist  adlige
Ritter.  Im  hohen  Sattel  sitzend,  mit  langen  Steigbügeln,  war  er  mit  Kettenhemd,
Schild  und  Helm  relativ  schwer  gewappnet  und  gut  geschützt.  Ihrer  Bewaffnung
und  Ausrüstung  entsprechend,  suchten  die  abendländischen  Ritter  den
Nahkampf.  In  ihm  stellten  sie  einen  schwer  zu  bezwingenden  und  deshalb  gefürchteten
  Gegner  dar;  dies  gilt  sowohl  für  die  mit  der  unter  der  Achsel  eingelegten
  Lanze  durchgeführte  Attacke  -  die  alles  hinwegfegte,  was  sich  ihnen  in
den  Weg  stellte  -  als  auch  für  den  mit  dem  Schwert  ausgetragenen  Kampf  Mann
gegen  Mann.15
Obgleich  auch  in  der  islamischen  Welt  -  und  dies  gilt  es  gegen  die  landläufige
Meinung  zu  betonen  -  vereinzelt  schwere  Kavallerie  und  vor  allem  bei  den
ägyptischen  Fatimiden  auch  Infanterie  zum  Einsatz  kamen,  wurde  das
Erscheinungsbild  ihrer  Armeen  zur  Zeit  der  Kreuzzüge  in  erheblichem  Maß  von
Reiterkriegem  türkischer  Herkunft  bestimmt.  In  ganz  besonderer  Weise  gilt  dies
für  die  seldschukischen  Scharen,  die  sich  den  Kreuzfahrern  im  Verlauf  des  1.
Kreuzzuges  in  Anatolien  entgegenstellten.  Sie  waren  geschickte  Reiter,  die  es
meisterlich  verstanden,  im  fliegenden  Galopp  mit  Pfeil  und  Bogen  umzugehen.
Sie  versuchten,  ihren  Gegner  einzukreisen  und  aus  sicherer  Entfernung  mit  einem
  dichten  Pfeilhagel  zu  belegen.  Erst  wenn  mehrere  Pfeilsalven  die  Reihen
der  Gegner  gelichtet  und  diesen  nachhaltig  geschwächt  hatten,  ließen  sie  sich
auf  einen  Nahkampf  ein,  bei  dem  dann  auch  Speer,  Schwert  und  Keulen  zum
Einsatz  kamen.  In  ihren  zumeist  leichten  Rüstungen,  ledernen  Kollern  oder  wattierten
  Wämsern  -  die  zwar  beide  durch  Eisenplatten  verstärkt  sein  konnten  -
waren  sie  jedoch  auch  dann  den  Kreuzfahrern  noch  hoffnungslos  unterlegen.16
Ab  der  Mitte  des  13.  Jahrhunderts  trugen  dem  vor  allen  die  Mamluken
Rechnung,  die  sich  1250  in  Ägypten  an  die  Macht  putschten  und  bis  1517  die
Geschicke  des  Vorderen  Orients  maßgeblich  bestimmten.  Ihnen  gelang  es  nicht
nur,  den  Vormarsch  der  bis  dahin  unbesiegten  Mongolen  im  Nahen  Osten  zu
stoppen,  sondern  auch  die  Kreuzfahrer  zu  vertreiben.17  Sie  gingen  dazu  über,
schwerere  Rüstungen  und  Helme  zu  tragen,  die  den  ganzen  Körper  besser
schützten  und  sie  im  Nahkampf  weniger  verwundbar  machten.18  Gleichzeitig

15  Vgl.  dazu  Nicolle,  David:  „The  Impact  of  the  European  Couched  Lance  on  Muslim
Military  Tradition“,  in:  The  Journal  of  Arms  und  Armour  Society  10.1  (1980),  S.  6-41,
hier  vor  allem  S.  If.,  1  Iff.  und  14ff.
16  Smail,  R.  C.:  Crusading  Warfare  1097-1193,  Cambridge  1956,  S.  64ff.;  Nicolle  (Anm.
15),  S.  13  und  16ff.;  France  (Anm.  2),  S.  143ff.  und  197ff.;  Lev,  Yaacov:  Saladin  in
Egypt,  Leiden  1999  (The  Medieval  Mediterranean  21),  S.  141  ff.
1  7  Zu  ihnen  im  Überblick  Thorau,  Peter:  „Mamluken“,  in:  Lexikon  des  Mittelalters  6,
1993,  Sp.  18Iff.
18 Vgl.  Mayer,  L.  A.:  Mamluk  Costume,  Genf  1952,  passim.
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