Full text : Grenzkultur - Mischkultur?

theoretischen  (literatur-  bzw.  kulturwissenschaftlichen)  Diskussion.  Neben
älteren  Beiträgen  zu  dieser  Auseinandersetzung  gilt  das  Interesse  insbesondere
der  postkolonialen  Entwicklungsphase.
Traditionell  hat  der  Forschungsschwerpunkt  in  seinen  Symposien  immer  auch
juristische  Aspekte  berücksichtigt.  Diesmal  beleuchtete  Alfons  Bürge  „Die
Mischung  von  Rechtstraditionen  als  Problem  der  Rechtsgeschichte“.  An  zwei
Fallbeispielen  konnte  er  aufzeigen,  daß  die  Rechtsentwicklung  zwar  stark  von
internen  Traditionen  bestimmt  ist,  fremde  Rechtstraditionen  aber  ebenfalls  eine
bedeutende  Rolle  spielen  können.  Häufig  wird  der  fremde  Einfluß  aber  nicht
erkannt,  da  der  juristische  Blick  stark  auf  die  nationale  Tradition  konzentriert
ist.  Deswegen  ist  die  vergleichende  historische  Betrachtung  für  das  richtige
Verständnis  der  Rechtsentwicklung  von  großer  Bedeutung.
Die  Vorträge,  die  am  Symposium  gehalten  wurden,  verdeutlichten  an  den
verschiedensten  Beispielen,  daß  es  so  etwas  wie  Grenzkultur  (oder  vielmehr
Grenzkulturen)  gibt.  An  der  Peripherie  ist  vieles  anders  als  im  Zentrum,  und
das  gilt  nicht  nur  für  staatliche  Grenzgebiete.  Ob  die  Grenzkultur  aber  immer
auch  eine  Mischkultur  ist  und  dazu  noch  eine  grenzüberschreitende,  diese  Frage
wurde  nicht  eindeutig  beantwortet.  Zu  unterschiedlich  waren  die  Befunde.
Deutlich  wurde  aber  wieder  einmal,  daß  die  Untersuchung  von  Grenzgebieten
wichtige  Erkenntnisse  vermittelt,  die  für  die  aktuelle  Diskussion  um  „Reinheit“,
„Mischung“,  „Hybridität“  usw.  nutzbar  gemacht  werden  können.

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