Eine weitere Domäne kaiserlicher Repräsentation war die Aufstellung von
Meilensteinen. Ihre Errichtung war sicherlich nicht gegen den Willen der in der
Region stationierten Militärkräfte möglich; überraschend auch, daß nach der
Niederlage Palmyras die Meilensteine unangetastet blieben. Für unsere
Fragestellung ist sowohl die propagandistische Aussage als auch der vollständige
Name des Vaballathus von Interesse.50 Im Formular des Meilensteines
schließt sich Vaballathus durch die Aufnahme der Siegerbeinamen Persicus
maximus, Arabicus maximus, Adiabenicus maximus der Tradition seiner
kaiserlichen Vorgänger an.
Die Namensteile Lucius Iulius Aurelius Septimius zeigen die Zugehörigkeit
seiner Familie zum römischen Bürgerverband seit der Zeit des Septimius
Severus, d.h. schon vor der allgemeinen Bürgerrechtsverleihung von 212 n.
Chr. Die Elemente Vaballathus und Athenodorus schließlich geben einen
Einblick in die Komplexität der palmyrenischen Religion. Vaballathus,
übersetzt „Geschenk der Allât“, verbindet den Herrscher mit der in seiner
Heimatstadt verehrten arabischen Göttin. Der theophore griechische Name
Athenodoros stellt die interpretatio Graeca der semitischen Vorstellung für den
hellenistischen Kulturkreis dar - für die Angehörigen der griechisch-römischen
Welt ohne Kenntnisse über das palmyrenische Pantheon war der Usurpator ein
„Geschenk der Athene“.51
Sofern die Angaben der Historia Augusta52 verläßlich sind, zeigt sich die
Offenheit Palmyras gegenüber anderen Kulturen auch in der Gestalt der
Königin Zenobia. Sie war des Palmyrenischen, Griechischen, Lateinischen und
Ägyptischen mächtig; ihre Hofhaltung verband römische und persische Einflüsse
miteinander. Sie war ferner mit der Geschichte des Ostmittelmeerraumes
vertraut, wenn sie für sich in Anspruch nahm, die Nachfahrin von Semiramis,
Dido und Kleopatra zu sein.53
5. Palmyrenische Mischkultur?
Problematisch für die Bestimmung der östlichen Einflüsse auf die materielle
Kultur Palmyras ist der Begriff der „parthischen Kunst“. Der Ursprung dieser
Kunst, deren Schöpfungen vor allem aus den parthisch beherrschten Rand¬50
ILS 8924 - im[p.] Caesari L. Iulio / Aurelio Septimio / Vaballatho / Athenodoro Per/sico
maximo Ara/bico maximo Adia/benico maximo Pio / Felici invicto Au[g.] / [...].
51 Zum Phänomen der Namensanpassung an das soziale Umfeld vgl. auch eine Weihung
aus Rom - CIS 2,3,3902 = IGUR 1,119; Miliar 1993, S. 328.
52 HA Tr. Tyr. 30,21f.; Schwartz 1966.
53 WaUinger 1990, S. 142.
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