Full text : Grenzkultur - Mischkultur?

prekären  Situation  soll  Odaenathus38  von  Palmyra  zunächst  den  Versuch
unternommen  haben,  sich  auf  die  Seite  der  Säsäniden  zu  stellen,  ein  Ansinnen,
das  durch  Säbuhr  I.  zurückgewiesen  wurde.39
Dem  palmyrenischen  Fürsten  bot  sich  aber  alsbald  die  Gelegenheit,  seine
Stellung  innerhalb  des  Reichsverbandes  auszubauen  und  dadurch  den
Zusammenbruch  im  Osten  zu  verhindern.  Säbuhr  I.  war  es  im  Jahre  260  n.
Chr.  gelungen,  den  römischen  Kaiser  Valerian  gefangenzunehmen.  In  die  sich
daraus  entwickelnden  Thronwirren  griff  Odaenathus  auf  seiten  des  Sohnes
Valerians,  Gallienus,  ein  und  besiegte  261  n.  Chr.  die  Usurpatoren  Quietus  und
Ballista  in  Emesa.  Nach  deren  Ausschaltung  kommandierte  der  Palmyrener  die
schlagkräftigsten  Militäreinheiten  im  Nahen  Osten.  Seine  faktische  Stellung
wurde  durch  Gallienus  anerkannt,  und  Odaenathus  mit  der  Verleihung  der  Titel
corrector  totius  Orientis  und  dux  Romanorum  zum  Oberbefehlshaber  im  Osten
ernannt.40
In  seiner  neuen  Rolle  beschränkte  sich  Odaenathus  nicht  allein  auf  die
Sicherung  des  Verbliebenen.  Vielmehr  gelang  es  ihm,  von  den  Säsäniden
Nisibis  und  Carrhae  zurückzuerobern  und  sogar  zwei  Angriffe  bis  nach
Ktesiphon  vorzutragen.41  Gestärkt  durch  seine  Siege  über  das  persische  Heer,
nahm  er  den  Titel  „König  der  Könige“  an  und  gemahnte  auf  diese  Weise
Säbuhr  I.,  daß  ihm  im  Westen  ein  (zeitweise)  militärisch  überlegener  Gegner
erwachsen  war,  dem  aufgrund  dessen  das  Herrschaftsrecht  auch  im
säsänidischen  Osten  zukam.42  Die  Ermordung  des  Odaenathus  und  seines
ältesten  Sohnes  267  n.  Chr.  setzte  zwar  seinen  weiteren  Plänen  ein  Ende.  Sie
führte  aber  weder  zur  Auflösung  der  palmyrenischen  noch  der  römischen
Herrschaft  im  östlichen  Mittelmeerraum.
Ohne  erkennbare  Widerstände  ging  die  Stellung  des  Odaenathus  an  seinen  Sohn
Vaballathus  über.  Für  den  Unmündigen  übernahm  seine  Mutter  Zenobia  die
Regentschaft.43  Die  numismatischen  Quellen  sprechen  für  eine  anfängliche
palmyrenische  Anerkennung  des  neuen  römischen  Kaisers  Aurelian.44  Nach
dem  Bruch  272  erschien  der  römische  Kaiser  nicht  mehr  auf  den  unter
palmyrenischer  Oberaufsicht  geschlagenen  Münzen.  Dagegen  hatten  Vaballathus
  den  Augustus-,  Zenobia  den  Augusta-Titel  angenommen  und  taten  so

38  Volkmann  1968.
39  FHG  4,187,  frg.  10-Kettenhofen  1982,  S.  72f.
40  Zur  umstrittenen  Titulatur  und  den  von  Gallienus  verliehenen  Kompetenzen  im  Osten
Swain  1993;  Potter  1996.
41  De  Blois  1975.
42  CIS  2,3946.
43  Brodersen  1997;  Drijvers  1987;  HanslikAVegenast  1972.
44  Alföldi  1967a  und  1967b.

154
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.