Full text : Grenzkultur - Mischkultur?

militärische  Auseinandersetzungen  mit  diplomatischen  Kontakten  und
Friedensverträgen.19
3. Palmyra
Die  Zone  des  intensivsten  Kontaktes  zwischen  Römischem  und  Persischem
Reich  waren  Armenien  und  Syrien.  Eine  Vorherrschaft  im  Ostteil  des  Fruchtbaren
  Halbmondes,  der  Zugang  zur  Arabischen  Halbinsel,  zum  Mittelmeer  und
zum  Iranischen  Hochland  gewährte,  war  nur  durch  die  Sicherung  des
armenischen  Gebirgslandes  möglich.  Die  geostrategische  Bedeutung  der  Region
macht  verständlich,  warum  Kaiser  und  Großkönig  hier  zäh  und  verlustreich
ihre  Interessen  verteidigten.
Innerhalb  dieser  „Arena“20  hatte  die  Oase  Palmyra  eine  einzigartige  Lage  auf
halbem  Wege  zwischen  Euphrat  und  Mittelmeer.21  Die  Stadt  vermittelte  die
von  Rom  und  Persien  nachgefragten  Luxusgüter.  Aufgrund  des  palmyrenischen
Wissens  um  die  Organisation  des  Wüstentransportes,  die  dafür  unverzichtbaren
Kontakte  zu  den  nomadisierenden  Araberstämmen  und  die  Anwesenheit
palmyrenischer  Kaufleute  in  beiden  Weltreichen22  war  eine  Eroberung  und
Besetzung  für  den  Sieger  ohne  kurzfristigen  wirtschaftlichen  Vorteil,  da  man
das  weitgespannte  Beziehungsgeflecht  Palmyras  zerschnitten  und  den  Handel
nachhaltig  gestört  hätte.  Als  Pufferstaat  blieb  Palmyra  in  seinen  ökonomischen
Interessen  daher  weitgehend  unbeeinträchtigt.23
Die  Geschichte  der  Ansiedlung  läßt  sich  bis  in  das  2.  Jahrtausend  v.  Chr.
zurückverfolgen.24  Auch  zur  Zeit  der  Abfassung  des  alttestamentlichen  Buches
2  Chronik  muß  der  Ort  Tadmor  zumindest  namentlich  bekannt  gewesen  und  als
bedeutend  genug  erschienen  sein,  um  als  Gründung  Salomos  zu  gelten.25  Das
Schicksal  der  Stadt  in  hellenistischer  Zeit  liegt  weitgehend  im  Dunkeln.  Die
literarischen  Quellen  verzeichnen  erst  wieder  ausführlichere  Nachrichten  in  der
zweiten  Hälfte  des  1.  Jahrhunderts  v.  Chr.  Wie  oben  erwähnt,  hatte  die  Provinz
Syria  die  Oase  nicht  miteinbezogen.  Diesen  Umstand  machte  sich  Marcus
Antonius  41  v.  Chr.  zunutze  und  entsandte  eine  Reiterabteilung  zur  Plünderung

19  Kettenhofen  1982;  Campbell  1993.
20  Fowden  1993,  S.  15.
21  Neuere  Publikationen  zur  Geschichte  und  Kultur  Palmyras  Starcky/Gawlikowski  1985;
Palmyra  1987;  Schmidt-Colinet  1995.
22  Eine  detaillierte  Bearbeitung  des  jüdischen  und  syrischen  Namenmaterials  hat  Solin  1980
und  1983  vorgenommen.
23  App.  b.c.  5,37;  Plin.  n.h.  21,88;  Drijvers  1977,  S.  838.
24  Haider  1987.
25  2  Chr  8,4  -  Miliar  1993,  S.  320.

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