Full text : Grenzkultur - Mischkultur?

Das  nächste  und  bisher  letzte  Symposium  in  dieser  Reihe  fand  vom  5.  bis  8.
Mai  1999  ebenfalls  in  Saarbrücken  statt.  Es  unterschied  sich  insofern  von  den
Vorgängerveranstaltungen,  als  es  aus  zwei  Teilen  bestand.  Der  erste  Teil  am  5.
Mai  stand  im  Zusammenhang  mit  den  Feierlichkeiten  zur  urkundlichen
Ersterwähnung  Saarbrückens  vor  tausend  Jahren  und  wurde  gemeinsam  mit  der
Société  d’Histoire  et  d’Archéologie  de  la  Lorraine  und  dem  Historischen
Verein  für  die  Saargegend  veranstaltet.  Er  behandelte  das  Thema  „Saarbrücken
-  Metz:  Zwei  Nachbarstädte  und  ihr  Umland  in  historischer  Perspektive  /
Sarrebruck  -  Metz:  Deux  villes  voisines  et  leurs  pays  dans  une  perspective
historique“.  Die  Vorträge,  die  dort  gehalten  wurden,  sind  gesondert  veröffentlicht.
  ^  Der  zweite  Teil  galt  der  Frage  „Grenzkultur  -  Mischkultur?“.  Er  wurde
vom  damaligen  Ministerpräsidenten  des  Saarlandes,  Reinhard  Klimmt,  eröffnet
und  dauerte  vom  6.  bis  zum  8.  Mai.  Diese  Vorträge  werden  hier  der  Öffentlichkeit
  vorgelegt.
Bei  der  in  Form  einer  Frage  gestellten  Thematik  ist  zunächst  abzuklären,  ob  es
denn  so  etwas  wie  „Grenzkultur“  überhaupt  gibt.  Wenn  man  nicht  einen  sehr
engen  Kulturbegriff  zugrunde  legt,  gibt  es  viele  Hinweise,  die  dafür  sprechen.
Dabei  entsteht  die  „Grenzkultur“  aufgrund  der  besonderen  Situation  von
Grenzgebieten,  welche  das  Leben  in  ihnen  prägt.  So  scheint  die  Lage  von
Grenzgebieten,  zumal  von  staatlichen,  am  Rand  eines  Einflußbereiches  und
konfrontiert  mit  einem  anderen,  möglicherweise  feindlichen,  spezielle  Schutzmaßnahmen
  zu  erfordern.  Dies  macht  offenbar  die  Schaffung  besonderer
Strukturen,  den  Erlaß  von  Vorschriften  oder  die  Durchführung  von  Maßnahmen
  notwendig,  die  in  vielerlei  Gestalt  anzutreffen  sind.  Beispiele  dafür  sind
etwa  die  Errichtung  von  Marken  im  Mittelalter,  die  Ausweisung  von  Grenzbezirken
  in  Deutschland  oder  die  Glacis-Konzeption  Frankreichs,  aber  auch  die
Zonenrandförderung  der  Bundesrepublik  Deutschland  in  den  Grenzgebieten  zur
DDR.  Besonders  einschneidend  sind  siedlungspolitische  Maßnahmen  in
Grenzgebieten,  insbesondere  die  Ansiedlung  von  „zuverlässigen“  Bevölkerungsgruppen
  aus  dem  Landesinnern  oder  das  gegenläufige  Verfahren  der  Vertreibung
  oder  „ethnischen  Säuberung“,  wobei  diese  Maßnahmen  häufig
miteinander  verknüpft  sind.  Aber  auch  ohne  siedlungspolitische  Eingriffe
unterscheidet  sich  die  Bevölkerung  von  Grenzgebieten  von  derjenigen  anderer
Regionen,  insbesondere  durch  die  Anwesenheit  von  (meist  männlichen)
Bevölkerungsgruppen,  welche  die  Sicherung  der  Grenze  gewährleisten  sollen
und  welche  oft  aus  anderen  Gegenden  stammen.  All  dies  prägt  die  Lebensumstände
  der  Bevölkerung  in  diesen  Gebieten.

Henmann,  Hans-Walter:  „Saarbrücken  und  Metz  im  Spätmittelalter  und  in  der  frühen
Neuzeit“,  in:  Zeitschrift  für  die  Geschichte  der  Saargegend  48  (2000),  S.  81-94;
Hemmert,  Didier:  „La  province  de  la  Sarre...  une  province  „en  suspens““,  in:  ebd.,  S.  95-133;
  Roth,  François:  „Metz  -  Sarrebruck:  Deux  Siècles  de  Relations  Urbaines“,  in:  ebd.,
S.  134-151.

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