bibliothek gelangten.90 Boulay war schon im 12. Jahrhundert Sitz einer
zunächst kleinen, dann durch gezielten Erwerb von Pfandschaften und Vogteien
erheblich ausgeweiteten, allerdings nicht zusammenhängenden Herrschaft, die
ausschließlich zwar zum Teil in relativer Nähe der spätmittelalterlichen
Sprachgrenze gelegene, aber doch germanophone Orte umfaßte.91 Sie rührte
von den Herren von Finstingen zu Lehen, welche ihrerseits dem Geschlecht
Malberg bei Bitburg verwandtschaftlich verbunden waren und sich als Vögte
der Vogesenabtei Remiremont in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts auf das
germanophone Lothringen - nach Faulquemont/Falkenberg an der Nied und
eben nach Fénétrange/Finstingen - hin orientiert hatten.92 Im Vasallenverzeichnis
der Finstinger wird Arnold von Bolchen, 1227 bis 1254 belegt,93
als ,Herr alten Adels4 bezeichnet;94 er entstammt dem Edelherrengeschlecht
Ouren, das sich „schon an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert in nur drei
Generationen in die Linien Ouren, Pittingen, Fels, Berburg und Bolchen
auf [gespalten hatte], wobei letztere spätestens 1343 auch in den Besitz der
Herrschaft Useldingen gelangte“.95 Genealogische Verbindungen weisen für
90 Zur Geschichte des herzoglichen Archivs vgl. Herrmann: Collection, S. 4-11; Collin:
Guide, S. 13f.,74.
91 Nach Das Reichsland Elsaß-Lothringen, Bd. Ili, S. 118, gehörten zur Herrschaft Boulay
im späten Mittelalter die Orte Boulay, Guinkirchen, Brecklange, Neunkirch-lès-Bouzonville,
sowie Filstroff, Hargarten, Hinckange, Helstroff, Coume, Mégange,
Ottonville, Roupeldange, Schwerdorff, Volmerange-lès-Boulay und Villing jeweils zum
Teil. Alle diese Siedlungen dürften nach Witte: Sprachgebiet, S. 36ff., im 13. und 14. Jh.
germanophon gewesen sein. Noch 1783 wird in Hargarten, Roupeldange, Filstroff und
Gomelange jeweils rein deutsch, in Boulay, Brecklange, Coume, Guinkirchen,
Hinckange, Ottonville und Roupeldange jeweils abwechselnd in deutscher und
französischer Sprache gepredigt (Lévy: Histoire, Bd. I, S. 393). 1886 stuft This:
Sprachgrenze, Hinckange und Brecklange als communes mixtes, die übrigen Orte als
germanophon ein; 1955 ist nach Toussaint: Frontière, S. 51, nur Hinckange ganz
frankophon.
92 Ausführlich dazu Parisse: Noblesse et chevalerie, S. 155f.; er betont, daß der Aufstieg der
Finstinger sich im germanophonen Lothringen entfaltete und ihre Politik auf die Saar, das
Elsaß und den Trierer Raum hin orientiert war: „La coupure avec l’autre partie du diocèse
de Metz auquel ils appartiennent est réelle. Il ne s’agit pas d’hostilité, mais
d ’ imcompatibilité“.
93 Vgl. Schwennicke: Stammtafeln Bd. 7, Nr. 47.
94 Vgl. Parisse: Noblesse et chevalerie, S. 157. Ministerialen sind Peter von Volmerange,
Johann von Siersberg, Kuno von Schoenberg, Rainer von Saarbrücken, Gottfried von
Dorsweiler.
95 Reichert: Landesherrschaft, S. 692: „Daß sich diese Familien ihrer genealogischen
Verbindung bewußt blieben, steht außer Zweifel, führten ihnen diese doch schon die
Wappen, etwa das Ankerkreuz der Linien des Hauses Ouren vor Augen. Auch wurden
die Bindungen der einzelnen Linien untereinander bereits nach wenigen Generationen
immer wieder durch Eheschließungen neu gefestigt“.
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