Full text: Zwischen Deutschland und Frankreich

wenschaft274 und auf mütterliche Sorge, den Söhnen das Erbe zu erhalten275. Auch Ver¬ 
läßlichkeit und Beständigkeit gegenüber dem Empfänger oder seinen Vorfahren werden 
angeführt, z.B. zur französischen Krone276: ...dem koninge von Franckrich, unserem herm, laßen 
furbringen wie unser altem und vorfaren je und je sich %u dem huse von Franckrich gehalten und... an 
dem boutellerie ampte ... und ander sacken und dergeliehen dinste lange %yt und viel jare wolgedienet, 
oder den Herzog René erinnert sie wan wir uns erboden und erwiset haben gute Fothringer ju sin277 
oder auf das gute Verhältnis zu ihrem verstorbenen Gatten anspielt278. Dabei muß offen 
bleiben, ob sie selbst sich an entsprechend gute Beziehungen erinnerte oder ob solche 
Formulierungen von Johann Fust von Diebach oder Hans von Rittenhofen, die Philipp 
fast zwei Jahrzehnte lang gedient hatten, eingebracht wurden 
Ihr Hinweis auf das gute Verhältnis zum französischen Königtum läßt die Frage nach ih¬ 
rem Verhältnis zu Kaiser und Reich aufkommen. Darüber wurde bisher nichts bekannt. 
Da mit den Reichslehen nicht sie, sondern ihr Sohn Philipp belehnt worden war, war es 
nicht zu einer Begegnung zwischen Lehnsherrn bzw. seinem Bevollmächtigten und ihr 
gekommen, woraus sich sowohl ein persönlicher Konnex als auch ein stärkeres Bewußt¬ 
sein formaler Abhängigkeit hätte ergeben können. Die politischen Interessen der Könige 
und Kaiser Sigmund, Albrecht II. und Friedrich III. lagen während der Regentschaft Eli¬ 
sabeths nicht im Rheinland, dem Westrich und der Reichsromania, sondern in anderen 
Gegenden des Reichs. 
Taktieren könnte auch vorliegen, wenn sie Nicht-Wahrnehmung von Terminen oder ver¬ 
zögerte Beantwortung von Briefen mit dem jugendlichen Alter Johanns279 oder mit fehlen¬ 
274 So bieden ich uch gütlich, fordern undgesynnen aber ernstlich, das ir in stat myner gnedigesten herm die wiedewen und ne- 
melich in besonderheit mich nast dem ich ein wiedewe und dem huse von lothringer bewant bin, schüren, schirmen und by 
rechte behalten und hanthaben sollen (Schreiben an die lothringischen Räte vom 06.02.1453, HHStA Wiesba¬ 
den Abt. 130 III D 2 Nr. 4 fol. 54). 
275 Beispielsweise in einem Brief an Anton von Vaudémont vom 19.04.1432 (Varsberg-Korrespondenz Nr. 
28, Zeile 46-49) und vom 05.05.1433 an Bischof Konrad von Metz (ebd. Nr. 54 Zeile 13-16). 
276 In der Instruktion an den nassau-saarbrückischen Gesandten zu den beiden Königen Karl VII. von 
Frankreich und René von Sizilien vom Herbst 1444 (HHStA Wiesbaden Abt. 130 I II D 2 Nr. 4). Ange¬ 
spielt wird auf Graf Johann II. von Saarbrücken-Commercy (fl 381), Großvater mütterlicherseits Graf 
Philipps I. von Nassau-Saarbrücken. Über seine Tätigkeit im Dienste der französischen Könige finden 
sich die ausführlichsten Angaben bei Poull (wie Anm. 119), S. 158 ff., u. Mohr, Walter: „Johann II. Graf 
von Saarbrücken“, in: NDB Bd. 10 (1974) S. 522 u. Neumann, Peter: „Graf Johann II. von Saarbrücken- 
Commercy“, in:Neumann, Peter (Hg.): Saarländische Lebensbilder, Bd. 2, Saarbrücken 1984, S. 43-59. Die 
Datierung der Instruktion ergibt sich aus der Erwähnung des Verkaufs von Commercy, der im Februar 
1444 erfolgt war, die Mitwirkung Elisabeths aus der mehrfach vorkommenden Formulierung unsers herm 
gemahel und vatter seligen. 
277 Ebenfalls in der Instruktion (wie Anm. 276), vgl. auch Anm. 170 u. Varsberg-Korrespondenz, Nr. 7 u. 
42, Zeile 50 f. 
278 Z. B. an Huart von Elter im August 1439 (HHStA Wiesbaden Abt. 130 I II G 2 Nr. 2): wie unßer liebe herre 
und gemahel selig sich geheen uwem altem gehalten und bedient hait als eines deils uwem magen und frunden wol kuntlich 
ist. Zum angesprochenen Fall vgl. Herrmann: „Grafen von Homburg“ (wie Anm. 40, S. 68ff.). 
279 Zur Begründung, daß Johann trotz Ladung durch Herzog René nicht zur Ständeversammlung nach 
Pont-ä-Mousson kam, führt sie an: Dargu ist er noch faste jung und were er in jaren und verstentnisse, da% er in soli- 
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