Full text: Zwischen Deutschland und Frankreich

Mutter bei Reisen in größere westeuropäische Fürstenresidenzen zu Zeiten hoher poli¬ 
tischer Spannungen und militärischer Auseinandersetzungen halte ich für unwahrschein¬ 
lich. 
Eine unterschiedliche Haltung Philipps und Elisabeths gegenüber Städten und Bürgertum 
vermag ich nicht in der Deutlichkeit wie Burchert zu erkennen. Es trifft zu, daß Elisabeth 
keine Kriege gegen benachbarte Städte, dem Vierherrenkrieg von 1405-1408 gegen die 
Stadt Metz vergleichbar223, geführt hat. Die gegenseitigen Anreden in der Korrespondenz 
mit der Metzer Stadtverwaltung spiegeln ein freundnachbarschaftliches Verhältnis224. Ver¬ 
bindungen zu Trier und anderen lothringischen oder oberrheinischen Städten sind nicht 
bekannt. Die Werbungsschreiben nach Mecheln und Genf225 bezweckten eine stärkere 
Frequentierung der Geleitstraßen, wie sie wegen ihrer Erträge an Geleitsgeldern und Zöl¬ 
len im Interesse jedes Landesherren liegen mußte. Schon gar nicht vermag ich eine Ände¬ 
rung im Verhältnis zu den eigenen Territorialstädten zu erkennen. Es ist daraufhinzuwei¬ 
sen, daß die Bürgerschaft von Saarbrücken-St. Johann kein in der gräflichen Politik zu be¬ 
rücksichtigender Machtfaktor war. Augenfällig wird dies in dem Faktum, daß die städ¬ 
tische Verwaltung nicht in einem eigenen Rathaus, andernorts sichtbarer Ausdruck von 
Bürgerstolz und Selbstverwaltung, untergebracht war, sondern in einem vom Grafen zur 
Verfügung gestellten Gebäude226, daß die städtischen Einkünfte um die Mitte des 15. Jhs. 
noch nicht viel abwarfen227 und die Städte erst unter ihrem Sohn das Recht zur Siegelfüh¬ 
rung erhielten228. 
4.3 Berater und „Beamte“ 
Man sollte sich Personalbestand und Kompetenzverteilung in der kleinen nassau- 
saarbrückischen Verwaltung während Elisabeths Regentschaft nicht so vorstellen, wie es 
die Forschung für einige fürstliche Kanzleien des Spätmittelalters herausgearbeitet hat229, 
sondern in Anbetracht des geringen Personals davon ausgehen, daß Arbeitsgänge, die in 
223 Zum Vierherrenkrieg vgl. Herrmann (wie Anm. 33), Bd. 2, S. 118-129. 
224 Elisabeth redet Meisterschöffe und Dreizehnerkollegium an unsergude frunde, die Antwortschreiben haben 
die respektvollere Formulierung a noble [oder haulte] etpuissante dame madame la contesse de Nassaum et de Sar- 
rebruche (AM Metz AA 25 Nr. 61, 64, 78). 
225 LA SB Best. N-Sbr.II Nr. 224. 
226 Herrmann (wie Anm. 139), S. 228-230 u. 254 f. 
227 Thomes, Paul: Kommunale Wirtschaft und Verwaltung \wischen Mittelalter und Moderne. Bestandsaufnahme - Struk¬ 
turen - Konjunkturen. Die Städte Saarbrücken und St. Johann im Rahmen der allgemeinen Entwicklung, Stuttgart 
1995, S. 65-79. 
228 Herrmann (wie Anm. 139), S. 219. 
229 Landesherrliche Kanzleien im SpätmittelaXter. Referate zum 6. Internationalen Kongreß für Diplomatik, 2 
Bde., München 1984; Ringel, Ingrid Heike: Studien zum Personal der Kanzlei des Mainzer Erzbischofs Dietrich 
von Erbach (1434-1459), Mainz 1980 (=Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchenge¬ 
schichte Bd. 34), Brandenstein, Christoph Freiherr von: IJrkundenwesen und Kanftei, Rat und Regierungssystem 
des Pfälzer Kurfürsten Ludwig III. (1410-1436), Göttingen 1983 (=Veröffentlichungen des Max-Planck- 
Instituts für Geschichte 71). 
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