Full text: Zwischen Deutschland und Frankreich

Künstler mit Arbeiten beauftragt, die aufgrund der dynastischen Beziehungen der Saar¬ 
brücker zu anderen Residenzstädten in den Bück des Auftraggebers kommen. 
II. Die Gruppe der Hamburg-Wolfenbütteler Codices 
Es ist bereits mehrfach davon gesprochen worden, daß die beiden Hamburger Codices35 
(in scrin. 11 (,Loher und Maller’ mit 160 Illustrationen) und 12 (,Huge Scheppel’, ‘Königin 
Sibille’) und der Wolfenbütteler ,Herpin’ aus der Bibliothek Johanns III. von Nassau- 
Saarbrücken stammen, der die Werke seiner Mutter nun erstmalig zusammenhängend 
schreiben und illustrieren ließ. Erschwerend für eine Lokalisierung der Werkstatt kommt 
hinzu, daß die Bilder wie gesagt unabhängig von der Textniederschrift entstanden. Sie 
wurden separat gemalt und anschließend in den Textverlauf in dafür freigelassene Felder 
eingeklebt, dann mit einem gelben, Gold imitierenden Rahmen versehen — hierin ähnlich 
dem Heidelberger ,Loher’ — (vgl. Abb, 52 u. 54), schließlich wurden und fast immer zum 
Schluß größere Initialen eingefügt. 
Zwar setzt diese Art der Buchherstellung genaue Planung und Absprache zwischen 
Schreiber und Illustrator voraus — nicht immer hat es geklappt, denn manchmal verdeckt 
der gelbe Rahmen eine Initiale (Bl. 19r, 105v usw. 20), aber nichts spricht gegen die An¬ 
nahme, daß zwischen dem Arbeitsplatz des Schreibers und dem des Illuminators nicht nur 
einige Schritte, sondern wirklich große Entfernungen liegen. Überspitzt formuliert: gute 
Schreiber waren leichter zu rekrutieren als gute Buchmaler; und warum hätte ein Codex 
nicht sogar einige Zeit ohne Ausmalung liegen bleiben können, etwa bis sich die Gele¬ 
genheit bot, auch einen guten Maler zu verpflichten? Dieser hätte — und auch davon war 
schon mehrfach die Rede — auf alle Fälle eine Vielzahl der Bilder neu konzipieren müssen, 
denn für die zu schildernden Themen gab es in der geläufigeren heilsgeschichtlichen 
Thematik der Bibelillustrationen nur wenige „übersetzbare“ Parallelen. Wie schön wäre 
es, wenn die erhaltenen illustrierten Romane Elisabeths die Bildprogramme wenigstens 
voneinander übernähmen — aber dem ist nicht so. 
III. Der Heidelberger Herpin cpg 152, um 1475 
Anders als in den übrigen Fällen sind wir im Falle des Heidelberger Herpin36 in der glück¬ 
lichen Lage, sie mit anderen Arbeiten einer Werkstatt und einem Meisternamen verbinden 
zu können: der Codex mit seinen 160 Illustrationen entstammt der Werkstatt des Ludwig 
35 Bloh, Ute von: hoher und Maller. Überfragen aus dem Französischen von Flisabeth von Nassau-Saarbrücken. Ham¬ 
burg, Staats- und Universitätsbibliothek, Cod. 11 und 11a in scrinio (= Codices illuminati medii aevi 35). Literar¬ 
und kunsthistorische Einführung und kodikologische Beschreibung (zur Farbmikrofiche-Edition), Mün¬ 
chen 1995. 
36 Zur Hs. vgl. Wegener, Hans: Beschreibendes Verzeichnis der deutschen Bilder-Handschriften des späten Mittelalters 
in der Heidelberger Universitäts-Bibliothek. Leipzig 1927, S. 81-83; von Bloh, Ute: Historie von Herzog Herpin. 
Übertragen aus dem Französischen von Flisabeth von Nassau-Saarbrücken. Heidelberg, Universitätsbibliothek Cod. Pal. 
Germ. 152 (= Codices illuminati medii aevi 17). Literarhistorische Einführung und Beschreibung der 
Handschrift (zur Farbmikrofiche-Edition), München 1990. 
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