Full text: Zwischen Deutschland und Frankreich

Erwähnt seien hier vor allem get^el „Ergötzung, Freude“ (Nr. 32)55, das auch häufiger bei 
Elisabeth vorkommt; ferner das auf Luxemburg, Westeifel, Trier und Saarland begrenzte 
gilen, geilen „Grimassen schneiden, nachäffen, spotten“ (Nr. 33), ebenfalls bei Elisabeth, 
dann bare „Hühnerhabicht“ (Nr. 36), in ähnlichem, Lothringen einschließenden Verbrei¬ 
tungsgebiet, das einmal mit dem eher niederdeutschen oder mittelfränkischen, wohl über 
Jägersprache eingedrungenen hock (Nr. 36) variiert56, was aber bezeichnenderweise die 
Prosafassung wieder zugunsten bare tilgt. 
Größer ist die Ausbeute wiederum bei den regional begrenzten Lehnwörtern an der 
Grenze, die ganz eindeutige Lokalisierungshinweise geben, ich erwähne das von Rudolf 
Post in seiner Arbeit über die galloromanischen Endehnungen im Rheinland bereits kar¬ 
tierte (Karte 4) sabel „Gries, grober Sand“ (Nr. 39 vgl. Abb. 43), dessen Verbreitung am 
Westrand mit Begrenzung auf das westliche Moselfränkische, auf Luxemburg, Lothringen 
und Saarland deutlich ist57 und durch Flurnamenbelege des Saarbrücker Namenprojekts 
noch deudicher wird (Karte 5 - Abb. 44): 
Recht ähnlich lagert sich - ebenfalls im Nordwesten ins Niederfränkische ausgreifend - 
morsel, morschel für „Bissen, Stück“ (Nr. 42), dem heute freilich die lothringische Mitte 
durch die Neuentlehnung oder Kreuzung morssong abhanden gekommen ist; ferner mallete 
„Beutel, Handkoffer“ (Nr. 41) < mfrz. mallette „petite malle“, das heute nur noch in Lu¬ 
xemburg gilt. 
Ein außerordentlicher Glücksfall ist (Nr. 37) (sich)ßden „sich verlassen auf£ < lat.fidare 
„vertrauen“ (wie frz. sefierä ...; vgl. dicken „diktieren“ < dicere), das nur noch lothringisch 
und zwar in der Region um Boulay/Bolchen lebt, dort, wo auch der Kaplan der Margare¬ 
the von Rodemachern herkam, und zweitens bei Elisabeth58. Die Prosafassung (x) hat die¬ 
ses Lieblingswort von PTM zwar gekannt, aber bis auf zwei Fälle durch das geläufigere 
(sich) verlassen ersetzt, wohl weil ihr ßden zu regional vorkam. Trotz der nur noch punktuel¬ 
len Verbreitung handelt es sich hier jedoch um ein sehr altes Lehnwort, wie die Erhaltung 
des zwischenvokalischen [- d -], die Einordnung in eine althochdeutsche Verbklasse (statt 
wie bei späterer Übernahme mit dem Verbalsuffix -ieren, z.B. linieren, gradieren etc.), die An¬ 
gleichung an starke Verben im Part. Prät. geßden statt -¿’/und die NTAtitungßdonge „Ver¬ 
trauen“ nahelegen. Es gehört zu den regionalen Reliktlehnwörtern, wie wir sie in der Re¬ 
gion mit macher < maceria, kirkel < circulus, kermeter < coemeterium durchaus häufig vorfin- 
55 Vgl. zu den bereits germ. Bildungen auf -sal Henzen, Walter: Deutsche Wortbildung, Tübingen 1957, S. 
182f. § 116. 
56 Die - wenn auch spärlichen - Flurnamenbelege scheinen die Geltung von Hock "Raubvogel" aber auch 
für den Saar-Moselraum zu erweisen. 
57 Post (wie Anm. 50), S. 113 Nr. 116 mit Karte 24. Vgl. ferner Christmann, Ernst: Beiträge %ur Flumamenfor- 
schung im Gau Saarpfal^ München / Berlin 1938, S. 15. Ein Flurname im Saml (Anf. 16. Jh.) findet sich 
auch in Pallien (Stadtteil Trier): Matheus, Michael: Trier am Ende des Mittelalters. Studien %ur Sozial-, Wirt¬ 
schaft.r- und Verfassungsgeschichte der Stadt Trier vom 14. bis 16. Jahrhundert, Trier 1984, S. 36 Anm. 24. 
58 Vgl. Bichsei (wie Anm. 39), S. 48. 
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