Full text: Zwischen Deutschland und Frankreich

vom ‘Huge’ und der ‘Sibille’ nur je ein einziges handschriftliches Exemplar existiert.4 Der 
‘Loher’ liegt in fünf Manuskripten vor, wobei es sich bei einer Handschrift, der aus Köln, 
um eine Abschrift des Codex in Hamburg handelt. Die drei übrigen Fassungen in Heidel¬ 
berg, Wien und Prag sind — wie die ‘Herpin’-Handschriften — voneinander unabhängig.5 
Um mit einem vertretbaren Corpus argumentieren zu können, ist es deshalb naheliegend, 
nach den Codices zu zitieren, die für einen der Söhne Elisabeths, Johann III., entstanden 
sind. Basis für die folgenden Überlegungen bilden also die Handschriften in Hamburg 
(‘Loher und Maller’, ‘Königin Sibille’, ‘Huge Scheppel’) und Wolfenbüttel (‘Herzog Her¬ 
pin’), von denen anzunehmen ist, daß sie ungefähr zur gleichen Zeit angefertigt wurden.6 
Kennzeichnend für jeden der Texte ist, daß überwiegend Störungen der vorausgesetzten 
Ordnung verhandelt werden. Entsprechend häufig wird in den Texten von Vertauschun¬ 
gen und Verkleidungen erzählt, denn die Maskeraden7 pervertieren zum einen selbst die 
Ordnung und sie setzen das Auszugrenzende zum anderen bisweilen geradezu in Szene.8 
4 ‘Huge Scheppel’ und ‘Königin Sibille’: Hamburg, Staats- und Universitätsbibliothek, Cod. 12 in scrinio. 
Zur Überlieferung vgl. Müller, Jan-Dirk: Huge Scheppel!Königin Sibille. Übertragen aus dem Französischen von 
Elisabeth von Nassau-Saarbrücken. Hamburg Staats- und Universitätsbibliothek, Cod. 12 in scrinio (Codices illu- 
minati medii aevi 26), München 1993. 
5 ‘Loher und Maller’: Hamburg, Staats- und Universitätsbibliothek, Cod. 11 in scrinio; Heidelberg, Univer¬ 
sitätsbibliothek, Heid. Hs 1012 (olim Ashburnham Place, Cod. 486); Köln, Historisches Archiv, Cod. W 
337; Prag, Närodni Muzeum, Cod. I. a. 3. (olim Krivolät); Wien, Österreichische Nationalbibliothek, 
Cod. Vind. Pal. 2816. Publiziert ist allein die Handschrift in Hamburg; vgl. von Bloh, Ute von: Hoher und 
Maller. Übertragen aus dem Französischen von Elisabeth von Nassau-Saarbrücken. Hamburg Staats- und Univer¬ 
sitätsbibliothek Cod. 11 und 11a in scrinio (Codices illuminati medii aevi 35), München 1995. - Den Nachweis 
dafür, daß es sich bei den Handschriften in Heidelberg, Prag und Wien um voneinander unabhängige 
Fassungen handelt, muß ich hier schuldig bleiben. Er wird in meiner noch ungedruckten Habilitations¬ 
schrift (Ausgerenkte Ordnung. Hier Prosaepen aus dem Umkreis der Gräfin Elisabeth von Nassau-Saarbrücken: 
‘Hergog Herpin’, ‘Hoher und Maller’, ‘Königin Sibille', ‘Huge Scheppel) geführt. In der gemeinsamen Arbeit von 
Ute von Bloh, Kurt Gärtner und Michael Heinze, die in den vorliegenden Band (vgl. S. 427-457) aufge¬ 
nommen ist, finden sich dafür allerdings Anhaltspunkte. Vgl. vorläufig die noch immer wichtigste 
Untersuchung von Liepe, Wolfgang: Elisabeth von Nassau-Saarbrücken. Entstehung und Anfänge des 
Prosaromans in DeutschlandHalle a.S. 1920. 
6 Alle drei Handschriften weisen mehr oder weniger umfangreiche Textlücken auf. Der fehlende Text des 
‘Huge’ wird nach dem Erstdruck ergänzt werden, der des ‘Loher’ nach der Abschrift in Köln. Im Fall 
des ‘Herpin’ soll die Berliner Handschrift die Lücken schließen, da diese den Textbestand vollständiger 
als die Handschrift in Heidelberg wiedergibt. 
Der Begriff der Maskerade meint hier sämtliche Fälle maskierter Identität, wobei es sich bisweilen nur 
um Verkleidungen handelt, die allein dazu dienen, die Identität zu verbergen. Es wird sich zeigen, daß 
das spielerische Moment nicht immer vorhanden ist. An Konzepte der ‘Weiblichkeit als Maskerade’ 
schließt der Begriff insofern an, als geschlechtliche Identität als konstruierte verstanden wird. Zur Dis¬ 
kussion um den Begriff der Maskerade vgl. Weissberg, Liliane: ’’Gedanken zur »Weiblichkeit«. Eine Ein¬ 
führung”, in: Weissberg, Liliane (Hg.): Weiblichkeit als Maskerade, Frankfurt a.M. 1994, S. 7-33. 
8 Der vorliegende Beitrag enthält einige Ergebnisse meiner Habilitationsschrift, die dort genauer entwi¬ 
ckelt sind. Das Thema der Verkleidungen gerät in der umfangreicheren Arbeit allerdings nur am Rande 
ins Blickfeld. 
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