Full text: Zwischen Deutschland und Frankreich

sabeths tritt darin kein Segenswunsch auf, so daß er im Gegensatz zu Johanns Briefen, die 
stets einen solchen enthalten, knapper und nüchterner wirkt. Elisabeth bringt im 
Briefschluß aber stets eine Ermahnung und einmal auch die Bitte um Antwort hervor (Nr. 
81), während Johann zu Rodemachern stets mit einer Dienstentbietung erwidert. Das 
führt dazu, daß Elisabeths Schreiben fordernder, die des Johann zu Rodemachern aber 
ehrerbietiger wirken. Beiden gemeinsam ist allerdings, daß der Briefschluß mit einer An¬ 
rede beginnen kann, ohne daß eine solche jedoch immer auftreten würde". 
Der Formularvergleich innerhalb dieser Teilkorrespondenz ist ein Beispiel dafür, wie sozi¬ 
al-ständische Gemeinsamkeiten und Unterschiede gleichermaßen deutlich gemacht wer¬ 
den konnten. Der ORDO MEDIOCRIS und die Verwendung des Briefstils manifestieren die 
gemeinsame edelfreie wie nichtfürstliche Herkunft. Bei der Ausgestaltung des Formulars 
kommt jedoch der niedrigere Stand Johanns zu Rodemachern, der im Unterschied zu Eli¬ 
sabeth und ihren Söhnen nicht über den Grafentitel verfügt, sowie seine Rolle als Vasall 
von Nassau-Saarbrücken zum Ausdruck99 100. 
1.6.2.1.5 Die Briefe an die Gemeiner der Burgen Varsberg 
Im Zusammenhang mit dem Varsberg-Konflikt liegen auch einige Schreiben Elisabeths 
an Gemeiner beider Burgen Varsberg vor, von denen keine Antworten überliefert sind. 
Dabei handelt es sich unter anderem um jeweils zwei Briefe an Johann von Castel,101 Jo¬ 
hann von Kriechingen102 und Georg von Rollingen103. Sie stehen alle im ORDO SUBLIMUS 
und weisen den Kanzleistil auf. Das, was sie am deutlichsten von den bisher besproche¬ 
nen Briefen unterscheidet, ist die INTITULATIO, die als ein gesonderter, dem übrigen Text 
voran stehender Briefkopf verfaßt worden ist. Die INSCRIPTIO auf der Rückseite weist den 
Namen des Adressaten, dessen Herrschaftstitel sowie eine Anrede auf, z. B.: 
Johann, hem %u Crichingen, vnserm lieben getruwen (Nr. 44). 
In der Eröffnung des Briefes wird diese Anrede nach einem förmlichen Gruß in der be¬ 
reits bekannten Weise wieder aufgenommen: 
l/nsem fruntlichen grus beuor. Liebergetruwer. 
Die Überleitung entspricht derjenigen in den Briefen an den Bischof von Metz. Nach dem 
Wort als wird ein zuvor empfangener Brief, ein vorangegangenes Gespräch oder ein Er¬ 
eignis rekapituliert. Der Schluß weist zur Bekräftigung des Anliegens regelmäßig eine Er¬ 
mahnung104 sowie meistens auch die Aufforderung zu antworten auf, die mitunter sehr 
99 Von den Briefen Elisabeths an Johann zu Rodemachern: Nr. 81; umgekehrt: Nr. 56 und 83. 
100 Vgl. hierzu Brief Nr. 81, in welchem Elisabeth Johann zu Rodemachern auffordert, den Empfang sei¬ 
ner Lehen endlich zu erneuern. 
101 Nr. 2, 80. 
102 Nr. 44, 50. 
103 Nr. 49, 79. 
104 Sie fehlt nur in Nr. 2, an Johann von Castel. 
223
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.