Full text: Zwischen Deutschland und Frankreich

Spitze durch den Schlitz geführt26. Das breitere Ende ist sodann über die Kante des Brie¬ 
fes auf die Siegelseite geschlagen worden und hat dort die Funktion der Tektur einge¬ 
nommen27. 
Diese beiden Varianten kommen an den eingegangenen Briefen vor. In Elisabeths Kanz¬ 
lei selbst wurde aber noch etwas anders verfahren. Den bereits erwähnten Ausfertigungen 
ist nämlich allen gemeinsam, daß an der Kante, an der sich das Siegel befindet, ein wenige 
Millimeter breiter Streifen von einer Ecke bis kurz hinter das Siegel durch einen sauberen 
Schnitt abgetrennt wurde, der später an der verbliebenen Verbindungsstelle mit dem Blatt 
abgerissen und dadurch verloren gegangen ist. Dabei handelt es sich um das bei der ersten 
Methode beschriebene Siegelbändchen, das durch einen langen Einschnitt an der Kante 
des Papiers gewonnen und mit diesem bis zum Erbrechen des Siegels bzw. bis zum Off¬ 
nen des Briefes verbunden geblieben ist28. 
Unabhängig von der Art des Verschlusses sind die Briefe nach der Besiegelung unterhalb 
der Anschrift noch einmal gefaltet worden und zwar so, daß dieselbe außen sichtbar blieb, 
das Siegel aber innen geschützt war. 
Zum Aussehen der Siegeln läßt sich leider keine Aussage treffen, da, wenn sie überhaupt 
noch vorhanden sind, ihr Zustand sehr schlecht ist. Meistens sind jedoch nur noch 
Wachsreste oder -spuren erhalten (vgl. Abb. 8 S. 48). 
Einige Briefe Antons von Vaudemont29 wie auch einer des Bischofs Konrad von Metz30 
sind doppelt verschlossen und besiegelt worden. Dabei besteht das erste, zentrale Siegel 
jeweils aus rotem, das zweite, mehr am Rande des gefalteten Briefes angebrachte, aus grü¬ 
nem Wachs. 
Im Corpus befinden sich auch zwei Ausfertigungen31 der in der Varsberg-Korrespondenz 
gelegentlich angesprochenen32 „offenen“ Briefe. Dabei handelt es sich um Schreiben, die 
nicht in der soeben besprochenen Weise gefaltet, verschlossen und versiegelt wurden, 
sondern auf der Vorderseite unter dem Text einen Siegelaufdruck erhalten haben. Bei ei¬ 
26 Nr. 52, 57, 72 mit zwei derartigen Verschlüssen, 73, 76; ebenso ein Brief des Johann von Kerpen, Nr. 24, 
sowie an zwei Briefen Antons von Vaudemont, die doppelt besiegelt und verschlossen wurden; jeweils 
einer der beiden Verschlüsse (mit grünem Siegelwachs, in Unterschied zu dem jeweils anderen aus rotem 
Wachs) ist hierbei in dieser Weise ausgeführt worden. 
27 Das Beispiel eines vollständig erhaltenen Verschlusses dieser Art aus dem Jahre 1420 befindet sich im 
LA SB Best. N-Sbr II Nr. 3101 f. 2 (Johann von Rollingen an Graf Philipp von Nassau-Saarbrücken). 
28 Diese Methode, ein Siegelbändchen, das mit dem Papierbogen verbunden bleibt, durch einen Einschnitt 
am Rande desselben zu gewinnen, erinnert in gewisser Weise an die Praxis des abhängenden Siegels bei 
Pergamenturkunden. 
29 Nr. 36, 60, 65 und 67. 
30 Nr. 76. 
31 Nr. 12 (Johann von Kerpen) und 32 (Anton von Vaudemont). 
32 Z. B. in den Briefen Nr. 7 und 8, dabei angesprochen sind die Briefe Nr. 4 und 5, die als Abschriften 
vorliegen. 
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