Full text: Zwischen Deutschland und Frankreich

Rundung /e/ > /5/ : <o> (vgl. unter 4. /ü/ : <u>) (gwolff; 
sehr starke Tendenz zu Synkopierungen, für die möglicherweise auch sprechsprachli¬ 
che Tendenzen verantwortlich sind [gleublich, gnug eimel dime statt einemel dineme, ver- 
bodi). 
3.2 Anzeichen eines westmitteldeutschen Schreibdialekts7 
Mitteldeutsche Monophthongierung mhd. /ei/ > md. /e:/ (scholthesse statt scholtheiqe, 
bede für beide, bededingen für beteidingen)\ 
Senkung von /u/ zu /o/ vor allem vor Nasal, aber auch vor Liquid (forderonge, meynong 
verbontlich, fanden, sommen, scholthesse). Daß es sich hinsichtlich der Senkung vor anderen 
Konsonanten erst um eine Übergangszeit handelt, zeigt sich an Kompromißschrei¬ 
bungen wie mderbüde und bourgfriederk. Daß die Senkung als Teil des Schreibdialekts 
immer wieder bewußt wurde, zeigen die am ehesten als hyperkorrekt zu wertenden 
Fehler in uffen (statt offen, auch uffenberlich) und hertqug (statt heigog)', 
sehr häufig mitteldeutsch /d/ statt /1/ im Anlaut, postvokalisch und nach Konsonant 
[woldes, dedes, dage); ungewöhnlich ist, daß bei retej rette/ redte ,Räte’ und an rade ,an 
Rat(schlag)’ offensichtlich eine lexikalische Differenzierung auch graphisch¬ 
phonetisch ausgedrückt wird (< ahd., mhd., mnd. rät, asächs. rad, nl. raad)\ 
ab und zu unverschobenes /p/ im Anlaut {plichtiff, 
typisch mundartliche Wortformen wie btt neben mit und abeslet zu abslagen\ vgl. auch 
die Varianten suster/ swester und quemen/ körnen (vgl. 1.1); 
beim anaphorischen Pronomen mittelfränkische Nebenform mit protheüschem h: hyn 
statt yn. 
3.3 Mundartlich-sprechsprachliche Tendenzen 
Die hier genannten Phänomene unterscheiden sich von den unter 3.2 genannten darin, 
daß sie nur sehr punktuell bei einzelnen Wörtern auftauchen und daher wahrscheinlich 
keine schriftsprachliche Geltung besaßen, sondern als Ergebnisse sprechsprachlicher Ein¬ 
flüsse gewertet werden können: 
Senkung von /i/ zu /e/ (brengen)\ 
Entrundungen [frinttlich neben fruntlich, ichgleibe neben gleublich)', 
Rundung vor Labial {ummer statt immer)-, 
Belege für die einzelnen Punkte vgl. Paul, Hermann: Mittelhochdeutsche Grammatik, neu bearb. von Peter 
Wiehl und Siegfried Grosse, 23. Aufl., Tübingen 1989, §§ 163-165. 
Die Form bourgfrieden könnte allerdings als Verschreibung auch ein Indiz für den geringfügigen französi¬ 
schen Einfluß sein. 
199
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.